Full text: Zur Erinnerung an die Feiern am 14. und 15. August 1910 aus Anlaß der Vollendung der Lokomotive Fabriknummer 10 000 und des hundertjährigen Bestehens der Firma Henschel & Sohn, Cassel

Im Jahre 1796 wurde der Stückgießer Henschel als 
Nachfolger des in Kasseler Kreisen wohlbekannlen 8tein- 
höfer zum fürstlichen Brunnenmeister ernannl, dem die 
Aussicht über die Wilhelmshöher Wasserkünste nebst 
Pumpen und Leitungen oblag. Außerdem wurde er 
1805 durch da8 Privileg auf Anfertigung einschlägiger 
Fabrikationsgegenstände für den ganzen Bereich des 
Kurfürstentums ausgezeichnet- Georg Christian Karl 
Henschel's beide Söhne Anton und Werner genossen 
ihre Ausbildung auf dem Lyzeum und der Kunstakademie 
der Vaterstadt. Ihre praktische Unterweisung erhielten 
sie in der väterlichen Fabrik. Dieselbe kam ihnen in 
ihren späteren Berufen sehr zu statten. Anton Henschel 
wandte sich der Laufbahn des technischen Staatsbeamten 
zu, Werner dagegen wurde Bildhauer, und die im Vater- 
haus erworbene Fertigkeit im Formen und Gießen hat 
er später für seine künstlerischen Werke sehr wohl ver- 
werten können. Aber die Herrschaft Jérômes war auch 
am Hause Henschel nicht ohne nachteilige Folgen vor- 
übergezogen. Das Kurfürstentum war 1807 ein Bestand- 
teil des Königsreichs Westfalen geworden und das Gießhaus 
unterstand somit Französischem Kommando. 
Die Last der Abgaben und die hohe Inanspruchnahme 
der Bürgerschaft durch Einquartierung halten manchen 
Wohlstand vernichtet. Kein Wunder, wenn das Verhält- 
nis zwischen Georg Christian Karl henschel und seinen 
französischen Vorgesetzten sich nicht besonders freundlich 
gestaltete, und so erklärt es sich, daß er im Jahre 1810 
auf Befehl des französischen Generals Alir das Gießhaus 
binnen vierundzwanzig Stunden räumen mußte. In dieser 
Not sprang der jüngere Sohn Werner dem Vater bei. 
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