Full text: Brief von Franz Engelhard an Ludwig Emil Grimm

beobachter und führt schon seit langen Jahren ein Protokoll darüber. Dies war der einzige Zip-

fel an dem ich ihn fassen konnte, der aber doch mürbe war; die Frau wendet ihre sehr rege

Thätigkeit auf den großen Garten vor dem Todtenthore und so konnte ich es leicht dahin bringen,

geduldet zu werden. Uebrigens sind alle Umstände erschwerend und es muß sehr schwer seÿn,

in dem Hause bekannt zu werden, welches mir nur auf eine zufällige Art gelungen ist.

Soweit habe ich diesen Brief noch vor der Erscheinung Napoleons, welche wieder der Anfang

einer verhängniß vollen Epoche ist, geschrieben; es folgte eine Anweisung, wie du die Lehechen

Pfister ausserhalb des elterlichen Hauses könntest kennen lernen. Allein ich halte es jetzt

für Unrecht, selbst einem Freunde, wie du bist so etwas zu schreiben; wenn ich nach Cassel

komme will ich dich aber, wenn du willst, mitnehmen. Deshalb habe ich das Blatt vernichtet,

verstehendes aber abgeschrieben, um damit zu beweisen, daß ich nicht so fahrlässig im

Schreiben bin, als du wohl glauben möchtest —

Das Losungswort zum Verderben des menschlichen Geschlechts „Krieg“ ist also wieder

gegeben; auch hier warst sieht es kriegerisch aus. Ein Theil der Bergisch Preussischen Truppen

setzte gestern über den Rhein. Die Gefahr kommt mir noch nicht so dringend vor, daß

alle jungen Leute sofort wieder zu den Waffen greifen müssen. Mit den regelmäsigen

Truppen muß das blutige Spiel von Seiten der Verbündeten nicht allein aus gespielt, son-

dern gewonnen werden. Ich fürchte mehr von Hunger und dadurch entstehenden Seuchen,

als von dem Verluste von Schlachten. Vorerst will ich es daher noch abwarten; im Falle

der Noth aber Officier beÿ der Preüßischen Landwehr zu werden suchen. Was denkt

du denn zu thun? Da du wohl nie dein Glück im Soldatenstande suchen wirst, der Krieg

aber gegen alle Erwartung dennoch längere Zeit dauern könnte und du als dann so sehr in der Kunst

worauf du deine künftige Existenz gründest, sehr zurückkommen könntest; so glaube

ich nicht, daß du vorerst wieder in das Regiment treten wirst. Werden denn die Freÿ-

willigen wieder errichtet? Der Frauenverein würde wohl wenige Beÿsteuern erhalten.

Noch in diesem Monat hofte ich endlich erlöst zu werden und Düsseldorf zu verlassen.

Ich komme mir so fremd in der Welt vor und mag gar nicht daran denken, daß ich viel-

leicht bald so viele neue Bekanntschaften machen muß; wobeÿ den Vorgesetzten zu schmei-

cheln ist und ihnen ihre Eigenthümlichkeiten abzlauern sind, den Damen nach Preussischer Sitte

die Hände geleckt werden müssen, den Töchtern der Hof zu machen ist, u.s.w. — wäre ich

doch Bauer! Lebe wohl! Grüße deine Geschwister bestens                      Franz.

Düsseldorf am 4ten April 1815.

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