Full text: Brief von Franz Engelhard an Ludwig Emil Grimm

Düsseldorf am 22ten Januar 1815.

Aus der Randbemerkung Deines letzten lieben Briefs, mein Ludwig, glaube ich zu ersehen

daß du vielleicht Lust hast, im nächsten Frühling den Rhein herunter nach Amsterdam zu rei-

sen und das wäre recht schön, wenn ich als dann noch hier wäre und Du Dich einige Zeit

beÿ mir aufhalten könntest. Seit der Wegschaffung der hiesigen Gemäldesammlung nach

München ist Düsseldorf zwar für den Künstler kein besonders interessanter Ort, allein

er findet doch hier ein nach Verhältniß der Größe des Orts sehr großes Publicum, das

sich für Kunst vorzüglich für Malereÿ interessiert. Davon zeigen die unzähligen besse-

ren oder schlechteren Copien der Stücke aus der hiesigen Sammlung. Kupferstiche und andere

Zeichnungen, die man in fast allen Privathäusern schon von aussen durch die Fenster se-

hen kann. Wenn auch D. in diesem Augenblick ziemlich arm ist, so haben sich doch die rei-

chen benachbarten Fabrikstädte Elberfeld, Barmen u.s.w. jetzt ausserordentlich, und die

reichen Fabrikanten und Kaufleute haben doch mitunter auch Geschmack an Kunstsachen,

wenigstens folgen sie hierin der Mode, der Maler Kolbe an den mir Hummel ei-

nen Brief geschickt hat ist jetzt auch mehrere Monate zu Elberfeld und ich habe ihn

daher nicht sprechen können. In dem ebenfalls nur 8 Stunden von hier entfernten Cölln

scheint mir die Malereÿ auch einstmals einen guten Sitz gehabt zu haben. Die unzähligen

Kirchen und Klöster sind mit Gemälden fast überfüllt und selbst unter den Aus-

hängeschildern, womit man nicht blos Gasthöfe, Weinhäuser u. dergl: sondern auch

andere Gebäude marquirt, haben mehrere meine Aufmerksamkeit auf sich gezo-

gen.

Zufälligerweise habe ich einen jungen reichen Amsterdamer Kaufmann, der

sich eines wichtigen Processes wegen hier aufhalten soll, und ein großer Verehrer

der Literatur um Kunst ist, kennen gelernt, und mit ihm daher gesprochen, was

wohl für einen Künstler, wie Du bist, in diesem Augenblick zu Amsterdam zu thun

seÿ. Er meinte aber auch, daß die Leute dort bisher zu viel gelitten und eingebüßt

hätten und vorerst nicht viel auf Liebhaberÿen wenden könnten. Leider ist dies

                                                                                                                             überall

F Telot ist ebenfalls noch hier.

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