Full text: Stammregister der Familie Lucae

zogin von Curland zu stark in die Iänge zog,die Stelle 
als Metropolitan und Oberpfarrer in der Neustadt.- 
‘Nunmehro hatte ich auch den "Weltschlüssel" (1679)fertig 
und dedicirte (widmete) ihn der verwittibten Churfürs- 
tin zu Pfaltz, der alten braven Landgräfin und meiner 
gewesenen Herzogin Louyse in Schlesien.Indem ich so 
den lieben Gott walten ließ, nahm der Oberhofprediger 
Hr. Victor Occasion(Gelegenheit), Namens Ihr fürstl. 
Durchlaucht mit mir zu reden und proponirte mir wider 
Verhoffen die zweite Hofprädicatur. Nunmehr zu dem Hrn. 
Landgrafen selbst in's Schloß viciret, wurde von Sr. 
Durchlaucht gnädigst angesehen, meine gestellte Condi- 
tion confirmiret und ich selbst mit einer schönen Glück- 
wunschrede zum Hofprediger bestellt.Am 13.Jan.1684 wur- 
de ich in die neue Stelle feierlich eingeführt. 
Es nahm aber itzund die Unpäßlichkeit meiner Liebsten 
je länger je mehr überhand. Wir brauchten alle ersinn- 
liche Mittel und Doctores, aber ohne Furcht.- Auch eine 
Kur in Bad Wildungen blieb ohne Erfolg.- Einige Zeit 
hernach aber, als der Herbst eintrat, begunnte ihr 
Sschmerzliches ILeiden,die Steinkrankheit,; welche in ih- 
rer Familie erblich war und welche auch ich schon ein- 
mal verspüret hatte mit neuer Raserei hervorzubrechen. 
Die grausamen Schmerzen, das stete Erbrechen ‚der ver- 
Sschwundene Appetit setzten ihr mehr und mehr zu.So 
endete das Jahr 1685 mit Traurigkeit und Sorgen und so 
fing das Jahr 1686 auch wieder an, Gegen Ausgang Januari 
machte sie sich ohne Aussetzung bettlägerig. Endlich 
erklärte sie ihren letzten Willen bei voller Vernunft. 
Unter thränenden Augen stellte ich ihr unsere Kinder Ca- 
rolum und Hedwig Sophie vor. Sie gab ihnen ihren müt- 
terlichen Segen.Hierbei bemerkte ich auch, daß sich von 
selbst die Stubentür auftäte.Solches habe gemeiniglich 
bey absterben derer Meinigen in acht genommen. Meinem 
Collegen Victor, den ich rufen ließ,hörte sie mit großer 
Andacht an und bestellte bei ihm die Eeichpredigt.Es war 
der dritte Februarius, da dieses geschah.Am anderen Tage 
Mittags nahm ihr Verstand und Sprache ab; um S Uhr des 
Abends brachen ihr:die Augen; und so lag sie vor sich hin 
bis Mitternacht. Zwischen 12 und 1 Uhr aber übergab sie 
ihre, durch Christi Blut theuer erlöste Seele in die Hände
	        

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