Full text: Stammregister der Familie Lucae

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Traumgesichte, sehr naturell und gleichsam als rede 
ich mit ihm wachend. Am Morgen um 6& Uhr,da ich predi- 
gen sollte, brachte mir ein Reuter aus Brieg die Nach- 
richt,daß der Herr Vater sanft und selig entschlafen 
wäre (13.Dezember 1673).Ich verrichtete noch mein Amt 
in der Kirche und reiste dann sogleich nach Brieg.Viele 
gelehrte Männer und angesehene Freunde begleiteten den 
Sarg auf den Todenhof und der Herr Superintendent hielt 
die Leichenpredigt. Er wurde auf dem Todenhofe bei der 
Schloßkirche begraben,alwo auch die selige Frau Mutter 
liegt. Um diese Zeit war auch mein gnädiger Herr Phate 
der alte Herzog Christian über Jahr und Tag nicht mehr 
am Leben. An einem Sonntagmorgen nach verrichteter Amts- 
predigt rief man mich zum Herzog, wiewohl er schon be- 
schwerlich die Zunge rührte, auch das Gesicht und Gehör 
abnahm. Dennoch trat die Herzogin zur rechten,ich zur 
linken Seite des Bettes, die Räte standen zu den Füßen 
und ich rief ihm mit sehr starker Stimme allerhand Trost- 
sprüche in die Ohren,bis er endlich bei solcher Zurufung 
selig verschied,dermaßen sanft, daß auch die Räthe nicht 
vermeinten, daß er entseelt wäre,bis ich ihm eine Feder 
vor den Mund hielt und die Augen züdrütkte.Ich erkenne 
es als ein recht göttliches: Schicksal, daß ich eben dem 
hochseligen Herzog, der mich aus der Tauf gehoben im 
Tode habe trösten und die Augen zudrücken müssen“. 
- Am 19.November 1675 verheiratete er sich mit Elisabeth 
Mercer,Tochter von Balthasar Mercer, ehem.Parlamentsasses- 
soir zu Edinburg in Schottland (engl.Gesandter in Hamburg 
unter König Karl I.), und seiner Frau Elisabeth,einer gebo- 
renenvon Kennewy aus Schottiand. Siehe auch beiliegenden 
Auszug aus dem Buche "Bilder aus der deutschen Vergangen- 
heit" von Gustav Freytag, in dem die Brautwerbung wörtlich 
abgedruckt ist - « 
‘Als sich 1644 die gefährlichen Troublen (Unruhen) zu Eng- 
land herfürtäten,mußte sich ihr Vater wie auch sein. Bruder. 
der königliche Hofprediger Robertus Mercer,der auch Karl I. 
zum Tode begleitete (gest.27.1.1649),weil sie Favoriten 
des enthaupteten Königs gewesen waren,aus Furcht vor dem 
Cronwell und seiner Partei mit der ganzen Familie aus 
dem Königreich begeben und zog mit den Seinigen nach Bre- 
men, woselbst er von eigenen Mitteln,die ziemlich groß 
waren, bis an sein selig Ende (1658) lebte,drei Söhne und
	        

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