Full text: Zissel (1976)

Gedanken zum Zisse!l 
"Was Du ererbst von Deinen Vätern 
erwirb es, um es zu besitzen!" 
so rief ich am Ende meines vorjährigen Aufsatzes allen Bürgern 
Kassels, allen Zisselanern zu. Diese Worte, die eigentlich eine 
ernste, schwerwiegende Mahnung beinhalten, sind das eigentliche 
Leitmotiv des Zissels. 
Unser Zissel, längst über Hessen hinaus zu einem Inbegriff des 
fröhlichen, ja überschäumenden Kassel geworden, ist nichts wei- 
ter als eine Liebeserklärung, eine Huldigung an die Vaterstadt. 
Die sonst so ernsthafte alte hessische Hauptstadt entfaltet an den 
Tagen des Zissels ihren ganzen Charme und ihre ganze Liebens- 
würdigkeit. Sie wird zur ewig jungen, lächelnden Chassalla, die 
sich freut, weil es ihr gelungen ist, alle Bürger, ja sogar die Fest- 
besucher zu "Kasselänern" zu machen. Der Zissel steht dabei zu 
Kassel im gleichen Verhältnis wie Amor zur Venus. Er ist modern 
ausgedrückt, nichts anderes als eine Werbeagentur und dieser Ar- 
tikel lediglich eine Art Inserat dieser Firma, das den Wert einer 
längst als wertvoll anerkannten Ware in der Erinnerung wach halten 
und verdeutlichen will. 
"Das Erbe der Väter'' ist es, mit dem wir uns täglich, ob wir wollen 
oder nicht, neu. auseinander-setzen müssen. In meinen "Gedanken 
zum Zissel" habe ich mich immer bemüht, dieses Erbe zu verdeut- 
lichen, in dem ich historische Begebenheiten in ihrer Wirkung auf 
uns, auf die der Gegenwart verhafteten schilderte. 
Sehr oft waren diese Ereignisse ernster, ja trauriger Natur. Kein 
Wunder, daß die Dame Chassala normalerweise so ernsthaft wirkt.
	        

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