Full text: Touristen-Führer für die Umgebung von Cassel

daß man sie kennen, daß man sie lieben lernt. Niemand wird 
den Bewohnern Cassels den Vorwurf machen wollen, daß sie 
an der Natur nicht Freude haben, daß Ausflüge ihnen zu be 
schwerlich sind, aber — die Meisten gehen die bekannten Wege 
und besuchen die Orte wohin der große Strom der Ausflügler 
sich wälzt. Es ist erfreulich zu sehen, wie der bei Weitem 
größere Theil der Casselaner die freien Stunden zu Spazier 
gängen benutzt, wie fast Jeder es liebt, den Gottesodem der 
frischen Luft einzusaugen, und wenn der Gesundheitsstand der 
hiesigen Bewohner ein so guter ist, wie er selten irgendwo zu 
finden, so hat die Bewegung in der freien, frischen Luft, so hat 
der Duft unsrer herrlichen Wälder das Meiste dazu gethan. 
Erlaubte Freuden sich zu verschaffen, ist jedes Menschen Pflicht; 
ich glaube, daß unser Herrgott an einem Kopfhänger, an einem 
Schwarzseher keine Freude haben kann, daß es ihm lieb sein 
muß, wenn seine Geschöpfe sich an seiner herrlichen Welt ent 
zücken; wenn sie lieber lachen und jubeln, als in allen Ecken 
Sünde und Verderben erspähen. Darum erfreut Euch an der 
Welt, Ihr lieben Menschen, so oft und so lange es geht; ein 
fröhlicher Mensch ist gesund, Trübsinn macht krank und vor der 
Zeit alt. Wem Zeit, Gelegenheit und Mittel zur Verfügung 
stehen, der versäume nicht so viel als möglich von der schönen 
Gotteswelt kennen zu lernen; wer indeß nicht so situirt ist, daß 
er größere Reisen unternehmen kann, aber doch das Glück hat, 
in unserm lieblichen Thäte zu wohnen, also ohne großen Geld- 
und Zeitaufwand Alles das genießen kann, wofür Fremde 
große Opfer bringen müssen, ihm rufe ich zu: „benutze das 
Gebotene, genieße was Dir Gott beschieden!" Je mehr der 
Mensch in und mit der Natur verkehrt, je mehr er sie kennen 
lernt, desto mehr entschleiert sie sich, desto mehr lernt er sie 
lieben; und wenn wir unser Thal und seine Höhen, ja wenn 
wir unser ganzes Hessenland immer mehr kennen zu lernen uns 
bemühen, so kann es nicht fehlen, so ist die unausbleibliche 
Folge, daß wir es immer mehr lieben, immer mehr ins Herz 
schließen müssen.
	        

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