Volltext: Touristen-Führer für die Umgebung von Cassel

ihrer Ängstlichkeit halber, stets bemitleidet. Auf meinen Reisen 
habe ich mir nie die Freude versagt, unter einem schattigen 
Baume im Grase zu lagern — gleichviel, ob es auf der Höhe 
oder im Thal war — und habe bis jetzt nie den leisesten An 
fall von Gicht oder Rheumatismus verspürt, folglich kann es 
nicht schädlich sein, ich habe aber schon Leute an genannten 
Übeln leiden sehen, die ängstlich sich diese Freude versagten. 
Wenn man den Körper zu sehr verhätschelt, wirft leicht ein 
rauher Windstoß das ganze bischen ängstlich gehüteter Gesund 
heit über den Haufen. Der Gipfel des Dörnbergs bietet freilich 
nicht einen schattigen Lagerplatz, da jetzt aber fast Jeder mit 
einem Schirm bewaffnet ist, findet man den Schatten unter 
diesem. — Auf dein Dörnberge und in und um Burghasungen 
haben einst zwei feindliche Heere, einander beobachtend, gelagert. 
Heinrich IV., deutscher König, nahm, auf Grund falscher Allklage, 
dem Grafen Otto von Nordheim das Herzogthum Bayern, 
welches dieser im Besitz hatte, und gab es an Wolf TV. von 
Ligurien. Otto sammelte ein Heer und verwüstete die König 
lichen Güter in Thüringen, Zog dann vor dem Königlichen 
Heere sich zurück nach Hessen und befestigte Burghasungen — wo 
Erzbischof Aribo von Mainz ein Gotteshaus zu bauen begonnen 
hatte — um im Falle einer verlornen Schlacht einen Zufluchts 
ort zu haben und setzte sich hier bei Annäherung des Feindes 
fest. Heinrich IV. hatte seine Anhänger in Sachsen, Thüringen 
und Hessen zusammen gerufen, folgte ihm, bezog bett Dörnberg 
und befestigte denselben; wir können die wallartigen Erhöhungen 
letzt noch bemerken. Da aber Keiner Neigung hatte, den Angriff, 
dre offne ^-eldschlacht zu wagen, so zogen Beide unverrichteter 
Sache wieder ab, nachdem sie wahrscheinlich sämmtliche Nahrungs-' 
mittel in der ganzen Gegend aufgezehrt hatten und sich nicht 
mehr halte» konnten, froh, daß sich Vermittler fanden, die einen 
Frieden anzubahnen suchten. Es war ganz die liebenswürdige 
Art der Kriegsfuhrung damaliger Zeit, man zehrte das Eigen- 
thum der, an der Fehde unschuldigen Bürger und Bauern auf 
und verwüstete,, was man nicht verzehren konnte. Hatten die 
großen Herrn einen Landstrich ruinirt, so zogen sie zu einem 
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