Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

Es war ein mächtiger Bund von Fürsten und Kittern, den Adolf gegen 
den Landgrafen zustande brachte. 1 ) Ausser Otto gehörte ihm auch Landgraf 
Balthasar uon Thüringen an; ebensowenig fehlten die Grafen uon Ziegenhain 
und Waldeck; sogar der Erzbischof uon Köln und die Bischöfe uon Osnabrück 
und Münster finden wir unter Hermanns Feinden, ohne daß man weiß, was 
sie in deren Keihen führte. Der Hessenfürst muß wohl ein sehr unuerträglicher 
Mann gewesen sein; selbst am Königshofe stand er nicht in Gunst. 
Der Bundesgenossen, die er dagegen zählte, waren nur sehr wenige, 
nämlich die beiden Herzoge Albrecht uon Sachsen und Lüneburg und Ernst 
uon Braunschweig. 
7m April 1385 eröffnete der Mainzer Eanduogt im nördlichen Hessen 
und Westfalen die Feindseligkeiten, während Eberhard uon Buchenau, die 
alte Gans genannt, und fein Bruder Gottschalk mit dem Kitter Friedrich uon 
Eisberg uom Stift Fulda her in das hessische Gebiet einfielen. 
Für Hermann war es unmöglich, den zahlreichen und mächtigen Fein 
den im freien Felde entgegenzutreten. Er begnügte sich, der Hauptstadt 
Cassel eine größere Festigkeit zu geben und sie gegen plötzliche Überrumpe 
lung zu schützen, insbesondere, indem er im Jahre 1385 die Ahna, die bis 
dahin unter der Stadtmauer her beim Ahnaberger Kloster den sogenannten 
Töpfenmarkt entlang, wo man es noch lange auf dem Entenpfuhle hieß, und 
weiter „auf der alten Ahna" her in die Fulda floß, in ihr jetziges Bette 
außerhalb der Stadt leiten ließ. So berichtet die Congeries. Das Ahnaberger 
Kloster mußte er im selben Jahre durch zwei Häuser für den ihm durch die 
Heubefestigung erwachsenen Nachteil entschädigen. 
Daß unsere Stadt den Hauptsturm auszuhalten haben werde, stand 
zu erwarten. Als erster erschien am 24. Juni Herzog Otto der Quade, der un 
ruhigste der Gegner, uon Münden her uor ihren Mauern, wohl mehr um zu 
rekognoszieren als etwas Feindseliges zu unternehmen. Am 7. Juli zeigte 
er sich dann zum zweiten Male. Diesmal nicht mehr allein, sondern mit den 
Bischöfen. Vierzehn Tage später langte Markgraf Balthasar kaum an der 
Werra an, als ihm die Stadt Eschwege mit Freuden die Tore öffnete und 
ihn als ihren Erretter begrüßte. Dasselbe geschah mit Sontra. 
Es scheint, daß seine Streitkräfte dem Herzog hinreichend däuchten zu 
einem Sturm auf die Stadt. Allein was dem einst befreundeten Thüringer 
an der Werra gelang, gelang hier nicht, wo zudem Landgraf Hermann selbst 
1) Bezüglich der Kämpfe Landgraf Hermanns mit Adolf uon Mainz und dessen 
Bundesgenossen siehe vornehmlich Friedensburg in der Z. H. 6., Bd. 21. — Küch: 
ebenda, Bd. 29, S. 13 ff. — Bd. 40, S. 214ff. 
62
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.