Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Das erste Merkzeichen neuerwachenden Hebens war eine Jndustrie- 
Ausstellung, die am 1. Juni 1870 in der Doraue eröffnet wurde und sich eines 
außerordentlichen Besuches erfreute. Doch die Hessen im allgemeinen, ab 
gesehen uon der Partei der sogenannten Gothaer, die zu Pr. Oetkers poli 
tischem Programm sich bekannten, und denen man die allzu leichtherzige 
Hingabe berechtigter hessischer Eigentümlichkeiten zum Vorwurf machte, 
waren weit entfernt, sich mit den neuen Verhältnissen so rasch und ohne Be 
sinnen aussöhnen zu wollen, um so mehr als durch das Pehlen des Hofes in 
hiesiger Stadt gar mancher sich in seinem Erwerb geschädigt fand. Man hatte 
sich uon dem Wechsel im Regiment mehr versprochen und war enttäuscht. 
Das bewies der sehr kühle Empfang, der dem König Wilhelm uon Preußen 
zuteil wurde, als er 1870 unsere Stadt besuchte, um die Ausstellung zu be 
sichtigen. Da aber kam die französische Herausforderung in Ems und die 
Kriegsdrohung des Kaisers Tlapoleon, und ein Sturm der Begeisterung emp 
fing Wilhelm I. bei seiner Rückfahrt nach Berlin (15. Juli) auf dem hiesigen 
Bahnhof, so daß der König selbst dazu später äußerte, daß gerade dieser Emp 
fang ihm die Sicherheit wiedergegeben habe, mit feinem Volke eins zu fein. 
Auch darf es wohl als der Dank des Königs für diesen enthusiastischen Empfang 
aufgefaßt werden, daß er nach der Schlacht uon Sedan dem gefangenen Pran- 
zosenkaiser das Wilhelmshöher Schloß zum Aufenthalt anwies, das dem 
selben uom 4. September 1870 bis zum 19. März 1871 als fürstliches Gefängnis 
diente. An dem Kriege gegen Prankreich nahmen die hessischen Regimenter 
ruhmreichen Anteil und bewährten ihren alten Ruf militärischer Tüchtigkeit. 
Der Einzug des preußischen Kronprinzen Priedrich Wilhelm nach geendigtem 
Peldzuge am 25. September 1871 an der Spitze des 83. Regiments glich einem 
Triumphzug. Den wackern Kämpfern, toten wie lebenden, den Dank der 
Stadt Cassel durch Errichtung eines Denkmals abzustatten, wählte man das 
Auetor, dem man einen die Schwingen ausbreitenden Adler, uom Bildhauer 
Brand modelliert, aufsetzte; die kleinen Hebentore, dem Haupttor gleich 
laufend, wurden zugebaut; hierher setzte man Kriegergruppen, die der Bild 
hauer Siemering gefertigt hatte. Der Gedanke, das Auetor derart nutzbar zu 
machen, war gewiß kein glücklicher, und uom künstlerischen Gesichtspunkte 
aus ist es nicht sonderlich zu bedauern, daß es beiseite geschoben ist, zumal da 
die stil- und geschmackvollen Ulachthäuser ganz beseitigt worden sind. 
Am 6. Januar 1875 war Kurfürst Priedrich Wilhelm in Prag gestorben. 
Seine Beisetzung erfolgte am 12. des Monats auf dem alten Priedhof neben den 
Gräbern seiner Mutter und Schwester, und ein großes Trauergefolge gab ihm 
das Geleite zur letzten Ruhestätte. 
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