Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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nicht vorgreifen! Hoch waren die leitenden Jdeen, welche 1848 unser Holk 
beherrschten, in der Aufwärtsbewegung begriffen. Am 27. Juni hatte die 
Nationalversammlung in Frankfurt das Gesetz über die Einsetzung einer 
provisorischen Reichsregierung, sogenannte Zentralgewalt, angenommen, und 
zwei Tage darauf war der Erzherzog Johann von Österreich mit gewaltiger 
Stimmenmehrheit zum Reichsverweser erwählt worden. Am 11. Juli hielt 
er seinen feierlichen Einzug in die Bundeshauptstadt, und am selben Tage 
legte der bisherige Bundestag feine Funktionen in die Hände des Reichs 
verwesers und seines Ministeriums nieder. Das Deutsche Reich, nunmehr ein 
Staatenbund statt eines Bundesstaats, schien auf feste Füße gestellt, als die 
Militärmacht der einzelnen Bundesglieder auf den Reichsverweser vereidigt 
wurde. Jn hiesiger Stadt geschah die Vereidigung am 6. August, und wieder 
gab dies Veranlassung zu einem allgemeinen Freudentag, der durch die Ver 
leihung einer Fahne an das 1. Bataillon des sogenannten Schutzvereins, sowie 
die Verleihung schwarz-rot-goldener Schleifen für die Fahnen der Bürger 
garde vermehrte Bedeutung erhielt. Als der Kurfürst mit glänzendem Be 
folge, die schwarz-rot-goldene Binde um den Arm und am Helm die gleiche 
Kokarde, auf dem Forst erschien, wo die Huldigung der Garnison vor sich 
ging, und als er von da in die Karlsaue sich begab, um auch der Überreichung 
der von den Frauen und Jungfrauen Cassels gestifteten Fahne an den Schutz 
verein beizuwohnen, konnte man nicht mehr zweifeln, daß der früher auf feine 
Souveränitätsrechte so eifersüchtige Fürst den neuen Jdeen gewonnen sei, und 
froher Jubelzuruf begrüßte ihn überall. Nachmittags fand er sich, wie man ihn 
nie bisher gesehen, im bürgerlichen Frack und Zylinderhut, wieder bei dem 
allgemeinen Volksfest auf dem Bowlinggreen ein und nahm den ihm von Her 
bold kredenzten Ehrentrunk in leutseligster Weife an. Obzwar der heutige 
Tag nur dem großen deutschen Vaterlande gelte, sagte er, ihn ergreifend, so 
leere er ihn doch mit einem Hoch auf das engere hessische Vaterland, das 
begeistert aufgenommen wurde. lind allgemeine Begeisterung geleitete ihn 
zum Wagen, als er nach Wilhelmshöhe zurückfuhr. Der schöne Tag verlief 
unter allerlei Volksbelustigungen und schloß mit einem großen Brillantfeuer 
werk, welches das Mahnwort „Einigkeit" beleuchtete. 
Das Jahr 1849 brachte der Stadt Cassel noch eine liberale Errungen 
schaft, indem die Polizei in ihre Verwaltung überging. Jm übrigen begann 
dasselbe unter Bangen und Hoffen, ob die neue Reichsverfassung Bestand 
haben werde oder nicht. Jm März wurde auch in Hessen-Cassel für Schleswig-
	        

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