Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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werden können, einzusammeln und der Commandantur zugehen zu lassen. 
Jch fordere daher alle diejenigen, welche über jene Ereignisse genaue und zu 
verlässige Auskunft geben können, auf, so eilig als möglich solche auf hiesigem 
Rathause mir mitzutheilen. 
Cassel, den 10. April 1848. 
Der Oberbürgermeister der Residenz: 
Hartwig. 
Die Gefahr eines blutigen Dolksaufftandes war damit beschworen. 
Me schon am 10. April, dem Tage nach der verhängnisvollen Tlacht, die Ruhe 
in die Gemüter einzukehren begann, war daraus zu ersehen, datz einzelne 
der in jener Dacht Derwundeten — Seidler nennt z. B. einen Töpfer namens 
Tranke — vergebens ihre Wunden und blutigen Kleider dem Volke zeigten, 
um dieses von neuem aufzureizen. 
Weithin erregten die Vorkommnisse der Dacht Aufsehen in deutschen 
fanden, so zwar, datz sogar eine Abordnung des Vorparlamentes von Frank 
furt aus in unserer Stadt erschien, um nach beiden Seiten vermittelnd zu 
wirken. Das Närzministerium hatte allerdings nicht gut bei der Sache ab 
geschnitten, es hatte es vor allem an der nötigen Energie zur Verhütung der 
Strafjenexzesse fehlen lassen, und das hat ihm der Kurfürst nicht vergessen. 
Es ist der erfahrungsmäßige Gang aller plötzlichen und unvermittelt 
eintretenden revolutionären Bewegungen, daß sie nach den Extremen hin 
steuern. Diese Erfahrung bewahrheitete sich in hiesiger Stadt durch die Bildung 
des demokratisch-sozialen Vereins, welcher im Frühjahr 1848 von zwei jungen 
Juristen, dem schon genannten Dr Gottlieb Kellner und Heinrich Heise, ins 
Beben gerufen wurde. Dicht, daß die Berechtigung eines solchen Vereins 
hier erörtert oder in Zweifel gezogen werden sollte. Dur das eine mutz gesagt 
werden, datz die beiden jungen Freiheitsmänner von der eben erlangten un 
eingeschränkten Fretzfreiheit schwerlich den richtigen Gebrauch machten, als 
sie am 1. August 1848 das Organ ihres Vereins, die „Hornisse“, erscheinen 
Netzen — ein radikal-demokratisches Blatt, das damals in Bürgerkreisen viel 
und mit behaglichem Vergnügen gelesen wurde, weil es den politischen Gegner 
überall herunterritz; dessen Ton und Haltung aber nur dazu beigetragen 
hat, in weite Kreise Verärgerung zu tragen und den zu erwartenden reak 
tionären Rückschlag zu beschleunigen und zu verschärfen. — Doch wir wollen
	        

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