Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Militär nickt herbeigezogen werden. 6rst wenn sie sich hierzu als unzureichend 
erwies, war das Einschreiten des stehenden Heeres gesetzlich zulässig. Bereits 
wurden in nächster Umgebung des Bandesherrn Stimmen laut, die diesen 
Augenblick als gekommen bezeichneten. Waren doch bereits die Straßen 
hier und da, so die Königsstraße an der Post, die Pischgasse, der Weiße Hof, 
die Oberste Gasse, die Wilhelmsstraße durch Barrikaden gesperrt. 6s fehlten 
nur dem Volke die Waffen, und auch diese erhielt es durch die Erstürmung 
des Zeughauses, die sozusagen unter den Augen der Artillerie vor sich ging. 
Jn manchen Köpfen mochte jetzt die Hoffnung aufsteigen, daß es gelingen 
könne, den Kurfürsten zu beseitigen und die Republik zu proklamieren. 
Demgegenüber waren die Regimenter in ihren Kasernen konsigniert. Die 
Plünderung des Zeughauses hatte die Geduld des obersten Kriegsherrn auf 
eine harte Probe gestellt. Wenn jetzt der Befehl zum Draufgehen an die regu 
lären Verbände gegeben wurde, so bot Cassel, noch ehe der Morgen graute, 
ein Schauspiel ähnlich dem, wie man es am Morgen des 19. März in Berlin 
schaudernd erlebt hatte. Dieser Versuchung widerstanden zu haben, sollte 
die Stadt Cassel dem letzten Kurfürsten nicht vergessen! 
Seidler trat zurück ins Palais, um den letzten Versuch zu machen. Es 
mochte jetzt gegen 3 Ilhr morgens fein. Die Herren waren noch sämtlich an 
wesend, unruhig lief alles im Schloß hin und her. Er ließ sich nochmals mel 
den, doch hieß es, General u. £epel fei gerade oben. Dann wurde der dienst 
tuende Adjutant u. Eschwege uorbeschieden, dann Oberstleutnant Weiß. 
Seidler stieg ungerufen die Treppe hinauf; auf dem oberen Gang schritt 
v. Eschwege auf und ab. Er benutzte die Zwischenzeit, um mit Seidler zu 
überlegen, wie es möglich fein werde, die Garde-du-Korpswache im Schloß, 
etwa 6—8 Mann, ohne Gefahr für die Beute hinauszuschaffen, und es wurde 
beredet, Jnfanterieuniformen für diese holen zu lassen, in welcher Verkleidung 
sie tatsächlich später herauskamen. Tlach etwa fünf Minuten wurde Seidler 
vor feinen Bandesherrn beschieden. Weiß, der noch anwesend war, stand rechts 
der Tür. Der Kurfürst kam sofort auf den Eintretenden los und sagte: „Es 
wird ja noch immer geschossen!" — Dieser entgegnete darauf: „Ja, Königliche 
Hoheit, ich bitte Sie zum letzten Male, ich bitte Sie um Gotteswillen, lösen Sie 
die Garde-du-Korps auf! Auf dem Königsplatz wird schon die Republik 
proklamiert.“ — Das Wort machte denn doch den Pürsten stutzig, nachdenk 
lich entgegnete er: „Run, wenn es sich herausstellt, daß die Täter bei der 1. 
Eskadron waren, so soll diese aufgelöst werden.“ — Es entstand eine kurze 
Pause. Der Kriegsminister sprach kein Wort. Seidler sah ihn mehrmals an 
und hoffte, er solle helfen, aber er schwieg. Wer mochte wissen, was schon 
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