Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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6 § 
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u wie von einem glaubwürdigen Augenzeugen noch in selbiger Nacht Herrn V 
Ö Seidler erzählt wurde — dem Kommandeur der Garde-du-Korps, Rittmeister 
v. Baumbach, zugerufen haben: „Der Offizier, der die Schuld an diesem Auf- 0 
@ tritt hat, verdient, das) man ihm die Uniform vom Eeibe reiht und vor die 
Büße wirft!“ — 0 
8 Stille ritten die beiden Schwadronen nun zum Tore hinaus. Bei dem 8 
0 Haufe des Apothekers Braun vor dem Königstor (£cke des Karthäuserwegs, 
8 jetzt Nr. 1) machten sie halt, um sich zu ordnen, die Zurückgebliebenen abzu- 8 
0 warten, teilweise auch, sich dort fertig anzukleiden und die Pferde zu satteln. 0 
n Klaren doch manche sogar ohne Hosen auf die Pferde gesprungen! Jhr 
0 weiterer Ritt ging bekanntlich über Wahlershausen und Wilhelmshöhe nach 0 
0 Hofgeismar. Daß dieser ihr Ritt bis zum Tore durch eine gröhlende und joh- a 
lende Volksmenge erfolgt fei, daß sie mit einem Hagel von Steinen überschüttet 
@ worden, davon berichtet zwar unser Gewährsmann nichts. 6r sagt vielmehr, 8 
wie ich schon erwähnte, ausdrücklich, daß nicht viele Menschen auf dem Platze 0 
0 gewesen seien, wohl aber, daß vom Pferdeteich her auf die Abreitenden ge 
feuert wurde, und daß man am anderen Morgen noch die Spuren des Blutes 0 
8 als Zeugen, daß die Schüsse auch getroffen, deutlich habe wahrnehmen können. 
0 Anderen Augenzeugen zufolge hat sich die Reiterschar allerdings durch eine 
@ 8 aufgeregte Menge, die sie mit Steinen und Knüppeln bewillkommnete, ihren 
weg bahnen müssen. Auf frühere Darstellungen der Garde-du-Korps-Racht 
8 einzugehen und sie mit dem Seidlerschen Bericht in Vergleich zu stellen, ver- 
0 sage ich mir absichtlich. Von allen den damaligen Vorgängen, die einem Sturm 
8 auf die Kaserne gleichgekommen wären, erwähnt er nichts. 
0 „Nun" — d. h. nach dem Abreiten der Garde-du-Korps — berichtet 
8 er weiter, „wurde das Gedränge furchtbar.“ Man hatte, wie ich einschaltend 
0 bemerke, inzwischen das nur von einem einzigen Posten bewachte Zeughaus 
8 erbrochen und sich daraus mit Waffen und Munition versehen. Damit war 
0 erst der Volksmenge der Mut gewachsen, die bis dahin (wenn wir Seidlers 
8 ruhigem Bericht Glauben schenken) keine besonderen Proben davon abgelegt 
0 und außer dem Bau einiger Barrikaden nichts Nennenswertes getan hatte, 
a so sehr sie Grund dazu gehabt hätte. 
0 Jetzt änderte sich die Tage. Nachdem dem Mangel an Waffen abge- 
0 hülfen war, herrschte auf dem Platze vor der Kaserne ein wüster £ärm und eine 
o wilde Aufregung. Man rief und schrie: „Steckt das Nest in Brand!“ Auch 
waren schon, nachdem man die verschlossene Tür zur Wache erbrochen hatte, 
0 geschäftige Hände bereit, Feuer anzulegen. Das Schilderhaus wurde zer 
trümmert, die Pritsche des lüachtlokals in Stücke geschlagen, und im Nu lo- 
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