Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Seidler blieb an der Kaserne stehen und sah den Leuten nach, die still 
und ruhig ihres Weges zogen. Da kam der Leutnant von Uerschuer von der 
Garde-du-Korps, genannt der dicke Uerschuer — es war Freiherr u. Uerschuer I., 
der Adjutant — auf ihn zu und fragte: „Dun, was soll das geben?“ — Zeidler 
erwiderte: „Herr Leutnant, die Leute wollen dem Minister von Baumbach 
noch ein Uiuat bringen und gehen dann ruhig nach Hause. 6s geschieht kein 
Unfug. Jch habe auf dem Rathause eine starke Bürgergardenwache, welche 
genau instruiert ist.“ — Während dieser Worte waren die letzten Mani 
festanten über den Flatz gegangen, als eine Anzahl Garde-du-Korps aus der 
Kaserne stürzten. Uerschuer rief: „Jetzt gibt’s ein Unglück! Wer kann die 
Kerls halten? Da laufen sie hin!“ — Zeidler rief ihm noch zu: „Herr Leut 
nant, suchen Sie das Unglück zu verhüten, das kann entsetzliche Folgen haben!“ 
Der Offizier rannte fort, seinen Leuten nach, offenbar in der Absicht, 
sie zurückzuholen. £r rief und winkte, aber im selben Augenblick stürzten 
aus den Stalltüren der Kaserne noch mehr Leibgardereiter, teils in ihren 
blauen Stalljacken, teils in bloßen Hemdärmeln, alle mit blanken Pallaschen 
bewaffnet, hervor und hieben teils mit flachen, teils mit scharfen Streichen 
von hinten auf die eines solchen Angriffes nicht gewärtigen Bürger ein. 6in 
entsetzliches Durcheinander folgte. Aus Hunderten von Kehlen hörte man den 
gellenden Schrei: „Die Garde-du-Korps hauen ein! Bürger 'raus!“ 
Wie kam das, und was war der Grund dazu? Auch hier müssen wir 
zwischen der allgemeinen Ursache und der speziellen Ueranlassung unter 
scheiden. Seit dem 7. Dezember 1831, wo die Garde-du-Korps mit blanker 
Waffe die Casseler Bürgerschaft, als sie der Kurfürstin Auguste bei ihrem ersten 
Besuch im Hoftheater nach längerem Fernbleiben ihre Huldigung hatte dar 
bringen wollen, blutig und in brutalster Weise auseinandergesprengt hatte, 
herrschte in der hauptstädtischen Bevölkerung eine tiefe Mißstimmung gegen 
die fürstlichen Leibgardereiter, deren Entfernung aus der Stadt damals vom 
Kurprinzen und Mitregenten vergeblich erbeten worden war. Diese Miß 
stimmung war seit jener Zeit durch das trotzige und hochmütige Betragen der 
kleinen Elitetruppe noch verschärft worden, die auch bei dem übrigen hes 
sischen Armeekorps nicht sonderlich beliebt war. Die aufgeregten Märztage 
des Jahres 1848 brachten neue Reibungen von beiden Seiten. Das bis dahin 
niedergehaltene Uolk begann sich zu fühlen und vergalt den Gardereitern 
ihren Übermut. Man wußte lange, daß dem einen und dem anderen unbe 
liebten Offizier demnächst eine Katzenmusik gebracht werden würde. Am 
Abend des 9. April, so hieß es in der Stadt allgemein, und die Kunde war 
auch von der Parade des Morgens in die Kasernen getragen worden, werde es 
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