Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

408 
50<S>00<32>00<3E>00<2S>OOC22>OOCS>00<*2>00<S2DOO<32>00<32>00<32>00<32500C22>OOC22>OOCS2>OOCS2>0© 
Regierungssystems, bei denen wahrscheinlicherweise Reaktionsgelüste zu be 
fürchten waren. Zu dieser kleinen, aber einflußreichen Partei zählte die 
öffentliche Stimme die Mitglieder des gestürzten Ministeriums oder bekannte 
Anhänger desselben, wie den früheren Kriegsminister Schmidt, den 6x- 
Finanzminister von Motz, den Generalsekretär des Gesamt-Staatsministeriums, 
Obergerichtsrat Abee und dessen Schwager, den Obergerichtsrat von Dehn- 
Rotfelser, die alle mit Ausnahme Scheffers noch in der Stadt weilten. Die 
Nervosität stieg, als sich das Gerücht verbreitete, der Kurfürst verkehre noch 
mit dem alten Ministerium; er habe die Herren Motz, Schmidt und Abee zu 
nächtlichen Beratungen zu sich ins Palais kommen lassen. Man glaubte, wenn 
auch ohne irgendwelchen Rechtsgrund, die Entfernung mißliebiger Persön 
lichkeiten verlangen zu können, und da dieser Forderung keine Folge ge 
geben wurde, so brach die Volksleidenfchaft durch. Jn der Tlacht vom 7. auf 
den 8. April wurden Herrn von Motz unter Darbringen von nicht weniger als 
drei Katzenmusiken die Fensterscheiben eingeworfen. Die Dacht darauf er 
hielten Schmidt, Abee, Dehn-Rotfelser und der Oberfinanzrat von Hanstein- 
Knorr den gleichen Ausdruck der ungnädigen Stimmung des hauptstädtischen 
Pöbels, der alsbald um so mehr Geschmack an solchen Darbietungen fand, 
als er damit den Ausdruck der Abneigung, dem er bis dahin so oft begegnet 
war, erwidern konnte. Für die Dacht vom 9. auf den 10. April gedachte man 
dem Fuldaer Deputierten Weinzierl, dem Eisenbahndirektor Ruhl, dem 
Oberappellationsrat Eivers, vor allen dem Generaladjutanten des Kurfürsten, 
Generalmajor von Helmschwerd, den Volksunwillen zum Ausdruck zu bringen. 
Als Treffpunkt hatten sich die Tumultuanten den Platz am Königstor neben 
der Garde-du-Korpskaserne gewählt. Beider aber hatte das kindische Ge 
baren, das man irrtümlicherweise für die Betätigung freiheitlicher Gesinnung 
hielt, einen Exzeß zur Folge, welcher in das Einvernehmen zwischen Fürst 
und Volk und in die bis dahin gesetzmäßig verlaufende Bewegung einen jähen 
Mißklang bringen sollte. Lasset sollte eine zweite Garde-du-Korps- 
Dacht erleben. Es liegt über die Ereignisse dieser Dacht der eingehende 
und wahrheitsgemäße Bericht eines Zeitgenossen vor, des schon oft genannten 
Kommandeurs der Bürgergarde, Heinrich Seidler, eines Mannes also, welcher 
nicht nur alle Vorgänge mit durchlebte, sondern auch vermöge seiner Stellung 
sehr wohl in der Tage war, die Vorgänge zu beurteilen. Aus diesen Gründen 
und um des persönlichen Einschlages willen wurde der folgenden Darstellung 
sein Bericht zugrunde gelegt. 
Es war am 9. April, einem Sonntag. Da gerade die Frühjahrsmesse 
war, so hatte die Kunstreitergesellschaft von Renz ihren Zirkus hinter der 
©0<3E>00<3S>00<S>00<3>00<3>00<3>00<22>OOC2E>00<3>OOCZZ>00<S>00<*2>00<3>00<3>00<3>00<3>0©
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.