Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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§ Mit dem Drängen nach Weiterentwickelung, das auf allgemein wirf- 6 
a schaftlichem und geistigem Gebiet sich geltend machte und ungehemmt be- a 
0 tätigen durfte, wollte naturgemäß auch das auf politischem Gebiet gleichen 0 
Schritt halten, fand aber hier eine mächtige Einschränkung an der Staats- 
0 regierung. Unter dem Ministerium Hassenpflug war trotz heftiger Kämpfe 
um die Uerfassungsauslegung noch manches Gute zustande gekommen, aber 
0 er hatte 1837 den hessischen Staatsdienst infolge eines unbedeutenden Zer- 
a würfnisses mit dem Mitregenten verlassen müssen, und unter seinen Hach- 
0 folgern, insbesondere seit Sehester am Ruder war, stockte die Staatsmaschine 
a gänzlich, eine unleidliche Reaktion mit Polizeischikanen, mit Unterdrückung a 
0 der öffentlichen Meinung und religiöser Intoleranz, besonders Verfolgung 0 
a der Deutschkatholiken, trat ein. Als am 20. November 1847 Kurfürst Wil- 
0 heim II. in Frankfurt gestorben war, hieß es sogar, daß der nunmehrige Kur- 0 
a fürst Friedrich Wilhelm mit der Absicht umgehe, die Verfassung ganz zu be- 
0 seifigen, die, von jenem erlassen, für ihn keine bindende Kraft mehr habe. 0 
Flur weil er der auf die Verfassung vereidigten Offiziere nicht sicher sei, trete 
0 er nicht gleich mit der Absicht hervor. 0 
a So fand die Kunde von der am 24. Februar 1848 in Paris ausgebrochenen 
0 Revolution in Hessen und Cassel einen wohlvorbereiteten Boden. Hoch war 
a man aber hier zu keinem Entschlüsse gekommen, als am 2. März bereits eine 
0 Deputation von Hanau und am 4. eine solche von Marburg anlangte. Der 
a Erlaß, zu welchem sich der Bundestag in Frankfurt am 1. März an die deutschen 
0 Fürsten und Völker bequemte, indem er zur Einigkeit mahnte, und die Kunde 
von dem Eintreffen der Deputationen steigerten die Aufregung bedeutend. 
0 Als man hörte, daß beiden auf den andern Tag, einen Sonntag, Audienz 
§ beim Kurfürsten zugesagt fei, beriefen die städtischen Behörden noch auf den 
0 Abend eine allgemeine Versammlung in den Stadtbausaal, die sehr besucht 
§ war und nach lebhafter Debatte eine vom Obergeriditsanwalt Schwarzenberg 
0 entworfene Petition genehmigte. 1 ) Einige kleine Zugeständnisse, die der Kur- 
§ fürst gemacht, wie daß er dem zum Oberbürgermeister der Residenz gewählten 
0 Obergerichtsanwalt Hartwig endlich die Bestätigung erteilt, daß er das bisher 
verbotene Frankfurter Journal erlaubt, daß er der Suppenanstalt 200 Taler 
geschenkt habe, übten keine Wirkung mehr. Sonntag, den 5. März, als um 
§ die Mittagszeit eine außerordentliche Menge Volkes in der Königsstraße und 
0 am Friedrichsplatz vor dem Palais versammelt war und erwartungsvoll hin- 
1) Der Darstellung liegt i. w. zugrunde: Karl Cynker: Histor. Schilderung der 
Ereignisse, welche sich uon Anfang März bis Mitte April 1848 in Cassel zugetragen haben. 
Cassel 1848. 
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