Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Der häufige Zusammentritt der hessischen Gandstände in Cassel, die De 
batten, an denen sich das politische Verständnis der Bevölkerung schulte, der 
Gesichtskreis erweiterte, wie überhaupt die Anwesenheit geistig bedeutender 
Männer in hiesiger Stadt, mußte Geben hereinbringen. Die Stagnation der 
20 er Jähre ward allmählich überwunden. Bleichen Gindruck unsere Residenz 
stadt damals auf einen unparteiischen fremden machte, schildert der berühmte 
Moritz Wilhelm Drobisch, Professor der Mathematik und Philosophie in Geipzig, 
als er 1837 als Vertreter dieser Universität zum Jubiläum der Göttinger 
Hochschule entsandt worden war und am 23. September auf der Rückreise 
auch unsere Stadt besuchte. Gr schreibt in feinem Tagebuch 1 ): „Gange hat 
mich nichts so überrascht wie Cassel. Jch komme aus dem stillen Tal von 
Münden und finde plötzlich eine höchst glänzende, elegante, geschmack 
volle Residenz! fürstliches Geben zeigt sich in Gebäuden, Gärten, Uniformen, 
Gquipagen, Giureen usw. in allem Glanze, ganz anders z. B. als in Dresden. 
Das Militär, ganz auf preußischem fuß, hat eine treffliche, imponierende Hal 
tung. Die Damen find elegant gekleidet, graziös und liebenswürdig. Der 
Römische Kaiser, ein Gasthof von einem Umfang und fast möchte ich sagen, 
von einer großartigen und fashionabelen Ginrichtung, wie mir noch keiner 
1) Abgedr. in der Ztschr. Hessenland, Jg. 16, S. 233f. 
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Gin in seiner Art sehr stilvolles und in Anlehnung an orientalische formen 
harmonisch ausgestaltetes Bauwerk, erhob sich die neue Synagoge in der Un 
teren Königsstraße; nach den Plänen Rosengartens aufgeführt, wurde sie 
am 10. August 1839 feierlich in Anwesenheit des Hofes und der Spitzen der 
Behörden eingeweiht. 
Dagegen mußte als Opfer der Altstädter Giferfucht nun leider ein alt- 
ehrwürdiges Gebäude fallen, das den Wechsel der Zeiten und zumal die west 
fälische Periode glücklich überstanden hatte: das Rathaus am Marktplatz. 
Man hatte eine bequemere Verbindung von der fuldabrücke zum Hollän 
dischen Tore gefordert, und schon Wilhelm II. hatte, diesem Wunsche der 
Bürgerschaft Rechnung tragend die Artilleriestraße (älteren Casselanern noch 
als die „Reue Straße" erinnerlich) anlegen lassen. Sie sollte zum Markt in 
gleicher Breite durchgebrochen werden, was aber nicht geschah. Rur das Rat 
haus fiel. Mit seiner Hingabe kaufte die Stadt sich los von einer im Jahre 
1830 der Staatsregierung gegenüber übernommenen Verpflichtung, behufs 
Verschönerung der Stadt eine jährliche Summe von 8500 Talern an die kur 
fürstliche General-Kriegskasse zu erlegen. Der Abbruch geschah im Jahre 1837. 
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