Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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6 schaft Ausdruck darüber, daß es ihr nicht mehr vergönnt fein solle, die all- 6 
verehrte Eandesmutter gewohnterweise im Theater zu sehen. Auguste bat, die 
Casselaner zu beruhigen, da sie nicht die Absicht habe, die Stadt zu verlassen, 0 
und versprach auch, nächster Tage wieder im Theater zu erscheinen. Dazu wurde 
der 4. Dezember ausersehen, wo die neue Oper „Teil" uon Rossini zum zweiten 
Male aufgeführt wurde. Aber als die Dienerschaft der Kurfürstin erschien, fand 
sie die Fürstenloge verschlossen; daß solches absichtlich geschehen, wollte man dar- 0 
aus erkennen, daß die £oge nicht geheizt und dunkel war, und da eine derartige 
kleine Schikane als Vergeltung für das Verhalten der Mutter seiner Gattin 0 
gegenüber dem Charakter des Kurprinzen nicht übel zu entsprechen schien, a 
so wurde im Publikum lebhaft die der Fürstin angetane Kränkung erörtert, 0 
und wenn auch der Kurprinz, um ein derartiges Vorkommnis für die Zu 
kunft auszuschließen, gemessenen Befehl erteilte, daß seiner Mutter alle ge- 0 
0 bührende Ehrenbezeugung zu erweisen sei, wobei die Schuld der Unterlassung 
auf das untergeordnete Theaterpersonal geschoben wurde, so wollte doch 0 
niemand recht an eine bloße Flachlässigkeit glauben. Als daher die Kur- a 
fürstin einer Abordnung der Bürgerschaft, die ihr die allgemeine Entrüstung 0 
über die widerfahrene Kränkung aussprechen sollte, das Versprechen gab, 
daß sie am nächstfolgenden Tage, den 7. Dezember, das Theater besuchen 0 
0 werde, da war freudige Erregung in der ganzen Stadt, und eine große Volks- a 
menge hatte sich am Eingang des Schauspielhauses versammelt, um der ge- 0 
liebten Fürstin, die man schon bei der Flinfahrt zum Theater lebhaft begrüßt a 
hatte, auch noch beim Verlassen desselben eine Ovation zu bringen. Me bei 0 
solchen Gelegenheiten immer, so liefen auch hier zahlreiche Schreier mit, a 
denen es hauptsächlich um Radau zu tun war. Die Menge wuchs von Stunde 
zu Stunde und staute sich am Friedrichsplatz und in der Königsstraße nach 
dem Königsplatze hin, das Johlen und Schreien wurde lauter und lauter, 0 
so daß man schließlich im kurprinzlichen Palais ernste Besorgnis hatte, die ß 
Menge könnte es auf einen Sturm auf dieses abgesehen haben. Deshalb 
wurde alsbald die gesamte Garnison aufgeboten, um die Gegend um das 
Palais zu sperren. Der Polizeidirektor Gießler, hoch zu Roß, requirierte 
die Bürgergarde und befahl, die Menge auseinanderzutreiben, und trotzdem 
man ihm versicherte, es fei weiter nichts beabsichtigt, als der Kurfürstin beim 
Austritt aus dem Theater noch ein Lebehoch zu bringen, worauf ein jeder 
ruhig seiner Riege gehen werde, so war er doch nicht zu bedeuten. Er ver 
langte, die Bürgergarde solle mit gefälltem Bajonett vorgehen, was nicht ge 
schah. Sie drängte vor und die Menge drängte wieder nach. Da holte der 
Polizeidirektor die Aufruhrakte hervor, verlas diese, und ohne die gesetzlich 
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