Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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0 die Bürgergarde zu Buh und zu Pferd und Hunderte von Fackelträgern zu 
a beiden Seiten — in Bewegung, dem sich am Theater das Hoforchester unter 
0 Anführung des in diesen Tagen unermüdeten Kapellmeisters Spohr anschloß. 
0 ° Bor dem Hauptportale des Belleuueschlofses — der Wohnung der Kurfürstin — 
angekommen, begann das Orchester mit dem Bortrage einer Beethoven sehen 
0 Symphonie, deren Schluß betäubende Akklamationen überrauschten. Der 
Kurfürst und die Kurfürstin erschienen auf dem Balkon, worauf der Bürger 
st meister Schomburg sie mit bewegten Worten anredete. Jetzt teilte sich ein 
0 bisher von der Bürgergarde umstellter Kreis, und ein ,Altar der £iebe‘ wurde 
K sichtbar, von dem eine mächtige Flamme aufloderte, bei deren Schein sich 
0 eine ergreifende Szene auf dem Balkon des Schlosses zeigte. Der Kurfürst, 
V ergriffen von der allgemeinen Huldigung, umarmte angesichts der unten 
stehenden Menge feine Gemahlin. Darüber brach das Bolk von neuem in 
st stürmischen Jubel aus; denn es erblickte in diesem rührenden Bersöhnungs- 
0 akte die Besiegelung seiner eigenen Bersöhnung mit dem angestammten 
§ Tandesherrn. Ein wahrer Freudentaumel hatte sich aller Gemüter bemäch- 
0 tigt. Als der Kurfürst vom Bellevueschlosse zu seinem Palais am Friedrichs- 
st platze zurückkehrte, war es wie ein Triumphzug bei Fackelbeleuchtung; die 
0 reitende Bürgergarde und das unter unaufhörlichen Biuats nachdrängende 
st Publikum gaben das Geleite.“ 
0 Solcher Tage erlebt ein Bolk nicht viel, und die Freude war zu groß, 
st als daß sie hätte lange dauern können. 
0 Das neue Staatsgrundgesetz, nach dem Muster der belgischen Berfassung 
gearbeitet, war das freisinnigste in ganz Deutschland. Aber Kurfürst Wil 
helm II., bei aller Eeidenschaftlichkeit ein Mann des Wortes, wäre zu allen 
st Konzessionen bereit gewesen, um nur wieder mit der Gräfin Keichenbach, 
0 an deren Seite er sich allein wohlfühlte, sein behagliches Familienleben weiter 
st führen zu können. Die Gräfin war von Eisenach nach Arolsen übergesiedelt, 
0 und hier hatte der Kurfürst sie auch Mitte Tlouember des Borjahres abholen 
wollen. Doch neue Drohzettel und die Meldung großer Aufregung unter der 
0 hauptstädtischen Bevölkerung waren schuld, daß er allein zurückkehrte. Hm 
§ das Bolk zu beruhigen, hatte er sich sogar herbeigelassen, am 10. Dezember 
0 die Parade über die ihm so wenig sympathischen Bürgerbataillone abzu- 
st nehmen. Jetzt, nach dem Erlaß der freisinnigsten Berfassung, hoffte er end- 
0 lieh, alles getan zu haben, um ferner seines Gefallens leben zu können, 
st Das hessische Bolk dagegen erwartete, daß die Szene auf dem Balkon 
0 des Belleuueschlofses kein bloßes Schauspiel gewesen sei. Als daher am Tage 
g nach dem denkwürdigen 10. Januar sich in der Stadt das Gerücht verbreitete, g 
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