Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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„Der Berggeist“, dichtete ihm Georg Döring, ein geborener Casseler, ein sehr 
fruchtbarer Schriftsteller, dessen einst viel gelesener Roman „Das Kunsthaus“ 
zur Zeit des Siebenjährigen Krieges in unserer Stadt spielt, aber heute kaum 
noch lesbar ist. Döring hatte damals feine Vaterstadt bereits verlassen. — 
Don Gelehrten waren nur die Brüder Grimm nach wie vor an der Bibliothek 
tätig (siehe daselbst). Aber als im Jahre 1828 ihr bisheriger Vorgesetzter 
Ludwig Volkes starb und die Brüder bestimmt erwarteten, bei der Heu- 
besetzung der Stelle berücksichtigt zu werden, da wurde ihnen in Christian 
Rommel, dem Hofhistoriographen, ein Mann vorgezogen, der ihnen in wissen 
schaftlicher Hinsicht nicht das Wasser reichte. Jakob und Wilhelm baten um 
ihre Entlassung und erhielten sofort einen ehrenvollen Ruf an die Göttinger 
Bibliothek. Da kam bei einer Hoftafel im hiesigen Palais die Rede auf 
diese Berufung, und der sächsische Gesandte bemerkte, daß er von seiner Re 
gierung auch den Auftrag gehabt habe, die Brüder für Leipzig zu gewinnen, 
daß man dies aber mit Rücksicht auf die guten Beziehungen zum Casseler 
Hof unterlassen habe. Erstaunt fragte Wilhelm II. den anwesenden Rommel, 
ob denn die Grimms wirklich so große Gelehrte feien, was dieser mit einiger 
Verlegenheit nicht in Abrede stellen konnte. Darauf bemerkte die Gräfin 
Reichenbach zu dem Gefragten in der ihr eigenen derben Weise: Und diesen 
Männern haben Sie den Strich gedreht! — lind da sich Rommel verteidigte: 
Tlun, wenn Sie sie nicht selbst gehangen haben, so haben Sie wenigstens die 
Leiter gehalten! Das Brüderpaar schied also aus Cassel. 
Das geistige Tliveau Wilhelms II. und fein mangelndes Jnteresse für die 
Wissenschaft werden aber wohl durch nichts besser charakterisiert als durch 
feine gänzliche Unkenntnis von der Bedeutung der größten Gelehrten, die 
fein Land hervorgebracht hat. Es war dies ein Mangel seiner Erziehung, die 
sich lediglich auf militärischem Gebiete bewegt hatte. Das aber muß bedacht 
werden, daß in unserem Kurstaate unter Wilhelm I. eine viel größere Be 
wegungsfreiheit herrschte als in den meisten anderen Bundesstaaten, zumal 
in den größeren, und daß auch ohne die knabenhafte Bedrohung Wilhelms II. 
durch die nutzlosen Drohbriefe unter ihm die Reaktion die scharfen formen 
nicht angenommen haben würde wie anderwärts. 
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