Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Ziegenhain zu verfügen und dort sich unter die Aufsicht des Kommandanten 
zu stellen. Zugleich wurden der Flügeladjutant Rittmeister von Verschuer und 
die Majore von Eschwege und von Altenbockum aus Cassel weg und in ent 
ferntere Garnisonen verwiesen. Dem Kurprinzen wurde der Befehl, sich als 
bald nach Marburg zurück zu begeben. Radowitz erhielt unterm 21. Juni 
feine Pensionierung ausgefertigt, worauf er vier Tage später Hessen heimlich 
verließ und in preußische Dienste trat. 
Wilhelm II. reiste nach diesen Vorfällen, die in der Hauptstadt und weit 
darüber hinaus größtes Aufsehen erregten, am 15. Juni in Begleitung seiner 
Mätresse in das Bad nach Tlenndorf. Jn seinem Gefolge befanden sich der 
Geheime Kabinettsrat Riualier und der Kabinettsarchivar Müller. Auch der 
Oberpolizeidirektor von Manger, nächst dem Kurfürsten, dem er direkt unter 
stellt war, der mächtigste Mann im Kurstaate, war in Tlenndorf anwesend. 
Da lief am 25. Juni mit der Post ein Brief an Müller ein, der am 21. in Cassel 
zur Post gegeben war. Jn diesem Brief fand der Empfänger einen zweiten 
eingeschlossen, der für den Kurfürsten bestimmt war; der an Müllern gerichtete, 
ohne Datum und Unterschrift und mit verstellter Hand geschrieben, enthielt 
die Aufforderung, das zweite Schreiben unverzüglich dem Kurfürsten einzu 
händigen, weil darin eine Sache von großer Wichtigkeit mitgeteilt werde. 
Unschlüssig, was er tun solle, begab sich Müller zu seinem Vorgesetzten, dem 
Geheimen Kabinettsrat Riualier, um dessen Rat einzuholen, letzterer aber 
sprach sich dahin aus, daß der Brief dem Kurfürsten sogleich übergeben wer 
den müsse, was auch geschah. Müller hatte die beiden Schreiben auf der Haupt 
wache erhalten, als er gerade den ihm befreundeten Ceutnant Schulz von dem 
Jäger-Detachement, das den Wachtdienst versah, besuchte. Schulz hatte ihn 
dann begleitet, und beide waren Zeugen des Eindrucks, den der Brief auf den 
Kurfürsten machte. Dieser hatte hastig den Brief erbrochen. Kaum hatte er die 
ersten Zeilen gelesen, als er dastand wie vom Blitze getroffen. Tiefe Gemütsbewe 
gung malte sich je mehr und mehr auf allen seinen Zügen, und als er die Cesung 
beendigt, war er so außer sich, daß er kaum Worte hervorzubringen vermochte. 
Allerdings war der Jnhalt des mit einem Pseudonym unterzeichneten 
Schriftstückes auch darnach angetan; er lautete: 
Kurfürst! 
Das Maas Deiner Greuel ist voll bis zum Rande! Hundert Jünglinge 
eines Sinnes und eines Herzens haben sich auf Geben und Tod vereinigt zu 
Deinem Untergänge, zur Befreiung ihrer leidenden Brüder von Deiner Tyran 
nei. Von heute binnen Jahresfrist wirst Du unfehlbar das Opfer unserer ge- 
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