Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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eingegeben durch seinen unbestreitbaren Gerechtigkeitssinn, der ihm gebot, 
das gegebene Fürstenwort einzulösen, und dem nur andererseits fein ebenso 
unbestreitbarer Geiz die Wage hielt. Die Vorlage scheiterte an dem Verlangen 
der Stände, nicht allein Einsicht in die Finanzuerhältnisse des Bandes, denn 
die wurde ihnen gewährt, sondern vielmehr Aufklärung über manche dunkele 
Funkte zu erhalten, die grundsätzlich geweigert wurde, wie z. B. über einen 
Posten von 2646554 Talern aus den amerikanischen Subsidiengeldern, der als 
„gnädigst niedergeschlagen“ bezeichnet wurde. 1 ) 
Jn seiner Weise hat Wilhelm I. überhaupt das Beste seines Eandes 
stets gewollt, und die Geschichte mutz ihm noch gerecht werden. Ilm die durch 
den Mitzwacks des Jahres 1816 hervorgerufene Tlot zu lindern, Uetz er im 
Dezember dieses Jahres mit dem Abbruch der noch stehenden drei Flügel 
des alten Eandgrafenschlosses beginnen, um einen neuen Fürsten fitz in einem 
ihm und seinen Zeitgenossen mehr zusagenden Stil an die Stelle zu bauen. 
Am 17. Juni des folgenden Jahres wurde mit dem Ausheben des Grundes 
und der Eegung der Fundamente begonnen. Die feierliche Grundsteinlegung 
geschah am 27. Juni 1820. 
Die Pläne zu dem, ganz im klassizistischen Stil gehaltenen Bauwerk 
rührten vom Oberhofbaurat Jussow her. Auf einen passenden Flamen für 
das neue Schlotz hatte sich der Hofrat Völkel vergebens besonnen; darauf 
legte ihm der Kurfürst selbst den Flamen „Kattenburg“ bei. 
Die Fertigstellung dieses seines letzten Bauwerkes hat der fürstliche Bau 
herr leider nickt erlebt; Wilhelm I. ward am 27. Februar 1821 zu seinen Vätern 
versammelt und am 14. März in der Gruft der Burgkapelle in der von ihm 
erbauten Eöwenburg auf Wilhelmshöhe mit mittelalterlichem Pomp bei 
Fackelglanz beigesetzt. Das Schlotz aber blieb als moderne Ruine inmitten der 
Stadt liegen. Man sagt, der Kurprinz, durch eine Zurücksetzung seiner Person 
bei der Grundsteinlegung beleidigt, indem der Vater erst seinen Bruder, den 
Eandgrafen Kart, vor dem Erben der Krone die drei feierlichen Schläge habe 
tun lassen, sei nach der Zeremonie in den Wagen gestiegen mit den Worten: 
„Dies Schlotz wird auch nicht fertig gebaut“. Möglich, datz der Prinz die Worte 
gesagt hat. Allein der vermeintliche Verstotz gegen die Etikette hat nicht 
stattgefunden, weder das Programm für die Grundsteinlegung, noch der gleich 
zeitige Zeitungsbericht wissen etwas von einer solchen Zurücksetzung des Kur- 
1) Diese Rechnung der amerikanischen Subsidien bot überhaupt manches Bedenk 
liche. So hat man oft gerühmt, daß dem Lande in den Jahren 1776—1784 die Kon 
tribution zur Hälfte erlassen worden fei. Jetzt aber wurde der Betrag mit nahezu 100 
Millionen dem Lande in Rechnung gebracht! 
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