Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

360 
8 
}<S2>OOCT>00<32>Oe<^>00<S>00<32>OQ<2S>00<Ä>00<SE>eO<2Z>00<SS>00<®00<3>00<SS>00<3Z>00<SZ>0© 
< JJndererseits war manche Neuerung der westfälischen Regierung offenbar 
noch nicht zeitgemäß gewesen, so namentlich die Patentgesehgebung und die 
Aufhebung der Zünfte mit der nur schwer zu rechtfertigenden Einziehung 
des Zunftuermögens. Diese plötzliche freigäbe uon Handel und Gewerbe an 
alle, die sich ein Patent lösten, einerlei ob sie qualifiziert waren oder nicht, 
hatte eine schwere Schädigung des soliden Kaufmanns und Handwerkers 
im Gefolge gehabt. Doch die hessische Regierung entschloß sich keineswegs 
bald, die alte Zunftuerfassung wiederherzustellen. Als sie es im Jahve 1816 
tat, kam sie nur dem allgemeinen Verlangen entgegen. Am wenigsten konnte 
sich der Kurfürst zur Herstellung der sogenannten Mutterlade entschließen. 
Diese, eigentlich die £ade, in welcher alle Urkunden und Dokumente der 
Gilde aufbewahrt wurden, hatte im saufe der Zeit den Hamen hergegeben 
für einen aus einigen angesehenen Gildemeistern mit einem zugeordneten 
obrigkeitlichen Deputierten bestehenden Ausschuß, durch den die Wünsche 
einer jeden Zunft, ihre Klagen und Beschwerden zur Kenntnis der Behörde 
gebracht wurden, und sie bildete einen integrierenden Bestandteil der Gilde- 
verfassung. Das Gesuch um Herstellung dieser Einrichtung erschien dem Selbst 
herrscher aber revolutionär und wurde im Dezember 1816 abgeschlagen. Das 
Jahr hatte eine völlige Mißernte gebracht; die Hot war groß, und der Korn 
wucher stand in Blüte. Als nun in Ermangelung des Organs der Mutterlade 
120 hiesige Bürger sich zusammentaten, um eine Immediateingabe gegen 
diesen Wucher höchsten Orts einzubringen, da war Wilhelm I. über ein solches 
Demagogentum noch mehr empört, und die Eingabe wurde mit schärfster 
Mißbilligung abgewiesen. Auf die Anfrage des Bürgermeisters Stern, wie 
denn solche Bittgesuche allerhöchsten Orts einzubringen feien, erfolgte endlich 
im Jahre 1818 der Schluß, daß statt der vormals hier bestandenen Mutterlade 
ein engerer Ausschuß der Bürgerschaft, bestehend aus drei jährlich wechselnden 
Gildemeistern und einem Deputierten des Stadtmagistrats gebildet werde, 
welcher jedoch nicht anders als in Gegenwart des Oberschultheißen und des 
Bürgermeisters sich versammeln dürfe, und daß Bittgesuche und dergl. nur 
wenn von den genannten Oberzunftmeistern bescheinigt, durch zwei Mitglieder 
des Ausschusses allerhöchsten Orts einzureichen feien. Wilhelm I. stand also 
noch immer auf dem Standpunkt der Kinderstubenpolitik der 90 er Jahre 
seinen Untertanen gegenüber, von dem er sich in seinem Alter nicht mehr zu 
entfernen vermochte. - 
Wenn er trotzdem im Jahre 1816 die Stände des Bandes berief, um 
gemäß der Bestimmung der deutschen Bundesakte vom 8. Juni 1815 eine 
Verfassung für sein Band zu erlassen, so war dieser Entschluß zweifellos ihm 
©0<S>00<3E>00<SZ>00<S>00<SZ>00<S2>0(KS>00<^>00<S>00<32>00<S£>00<32>00<3Z>00<32>Q0<S>Q0<®0®
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.