Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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bestand der bisherigen Keglerungsform einschärften, als das Königreich West 
falen in seinen anderen, den ehemals preußischen, braunschweigischen usw. 
Bestandteilen unwidersprochen als erloschen angesehen wurde und nur noch 
in dem einzigen Kurfürstentum Kessen fortbestand haben sollte. Das Ver 
halten der Küssen entsprach solcher Auffassung: sie betrachteten das Band 
und speziell dessen Hauptstadt als erobertes Gebiet, und wenn sie sich auch 
bei der Anwesenheit des Kurfürsten einige Zurückhaltung auferlegten, so 
haben doch hohe und niedere Offiziere nichts versäumt, um auf Kosten der 
Stadt den Winter über ein Schlemmerleben zu führen. 
Die einzigen noch organisierten Verbände des Königreichs waren die 
Gemeinden. Auf ihnen lastete demnach zunächst alles, und hier wieder in 
erster Linie auf der Landeshauptstadt als der steuerkräftigsten, lind auch dieser 
fehlte das Oberhaupt, so daß die Geschäfte noch immer durch den von Czernit- 
scheff erweiterten flunizipalrat besorgt wurden. Die Aufgabe dieser Kom 
mission war keine leichte. Sie selbst sagt in einem Bericht an den Landes 
herrn, daß sie die Geschäfte übernommen habe „in einem Augenblick, wo weder 
Geld in einer Kasse, noch Lebensrnittel, noch Kourage in einem Nagazin war, 
und wo der Pöbel gern durch Gesetzlosigkeit seine Habsucht und Leidenschaften 
befriedigen wollte.“ 
einmal galt es also, die Kühe und Ordnung in der Stadt aufrecht zu 
erhalten, zu welchem 6nde sechs Kompagnien Tlationalgarde neu gebildet 
wurden, sodann die nötigen Geldmittel für die neuen Aufgaben des Krieges 
zu beschaffen. 
Unter der westfälischen Herrschaft hatte sich die Stadt mit einer für die 
damalige Zeit nicht unerheblichen Schuldenlast bedeckt, während noch am 
1. Tlouember 1806 der Schuldenbestand der Kämmereikasse nicht viel mehr 
als 16500 Ktlr. betrug, war unsere Stadt genötigt gewesen, im Jahre 1807 
infolge der französischen Jnvasion zwei Anleihen von je 15000 Talern aufzu 
nehmen, die mit 4 und 5 u. H. verzinst wurden. Die Zinsen waren von 1810 
bis 1813 mit 5124 Talern rückständig. — Dann brachten die Jahre 1811 und 
1812 den großen Kasernenbau, zu dessen Ausführung sie eine Schuldenlast 
von 450000 Pranken, mit 5 Prozent verzinsbar, zu kontrahieren genötigt 
wurde, worauf die Zinsen seit Juli fällig waren. Den an diesem Bau 
beschäftigten Handwerkern schuldete man im Jahre 1814 noch rund 20000 
Taler. Jm ganzen beliefen sich die Passiva des Stadtärars zu Ende der west 
fälischen Herrschaft auf nahezu 150000 Taler. 1 ) Tlun brachte der Krieg die 
1) Genaueres im Anhang 3. 
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