Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Kraft, den Schellenzug zu fassen. 6r wollte aus dem Bette springen, doch die 
Kräfte versagten ihm, und halbtot fand ihn der Kammerdiener auf dem Tep 
pich am Boden liegend. Durch den Zutritt der Tust und die Bemühungen 
der Dienerschaft wieder zu sich gekommen, gab er sofort den Befehl, die Leib 
wache zu alarmieren und jedem Unbefugten den Eingang in das Schloß zu 
verwehren, denn er glaubte nicht anders, als daß man einen Anschlag auf fein 
Beben beabsichtigt habe. Die Entstehung des Brandes war auch um so auf 
fallender, als noch ganz kurze Zeit vorher die Feuerinspektion ihre Kunde 
gemacht hatte. Jerome weckte selbst den Dienst tuenden Adjutanten, Ge 
neral von Hammerstein, und beide begleiteten nun die Königin, die, kaum 
mit dem notdürftigsten bekleidet, fliegenden Haares ihre Juwelen gerettet 
hatte, nach der Bellevuestraße in das Haus des Oberstallmeisters Norio. 
Don 50 Garde du Korps begleitet, kehrte der König dann hoch zu 
Koste zur Brandstätte zurück und überzeugte sich hier, daß eine gewöhnliche 
Feuersbrunst und kein Nordanschlag auf sein Beben vorlag. Jetzt erhielt 
die Polizei, die bisher alle Kettungsversuche der Bürgerschaft mit Grobheit 
und Drohungen zurückgewiesen hatte, den Befehl, nicht weiter hindernd 
einzugreifen. Allein zum Ketten war es zu spät, die Gewalt des Feuers war 
zu mächtig geworden, und da überdies, wie ein Augenzeuge berichtet, der 
Hofmarschall und der Palastpräfekt einander durch widersprechende Befehle 
in den Weg traten, wurde die Derwirrung bald allgemein. Die kostbaren 
Nobel flogen aus den Fenstern, die herabgelassenen Prachtspiegel zerbrachen 
im Schloßhofe, Glas, Porzellan, Teppiche, alles ging verloren. Betrunkene 
Soldaten drangen überall ein, wo sie Weinvorräte vermuteten, dunkle Ge 
stalten suchten in der allgemeinen Derwirrung nach Kostbarkeiten, die sie 
auf die Seite bringen könnten, indes die gut hessisch Gesinnten laut über 
den verschwenderischen Hof murrten und andere, die etwa retten wollten, 
davon abhielten mit dem Hinweise auf Gottes Strafgericht, welches das neue 
Sodom mit Feuer und Derderben heimsuche. Umsonst, daß die Polizei Ord 
nung in die Kettungsarbeiten zu bringen suchte: das Schreien, Toben und 
Durcheinanderlaufen nahm immer mehr überhand, bis der König befahl, 
dem rasenden Elemente seinen Baus zu lassen. 
Am Norgen lag etwa der dritte Teil des ehrwürdigen Schlosses Bandgraf 
Philipps des Großmütigen in Asche, und dies einzig und allein durch fran 
zösische Beichtfertigkeit. Denn die Ursache des Brandes war die fehlerhafte 
Anlage der Wärmeröhren zur Heizung des Schlosses, infolge davon das alte, 
ausgetrocknete Holz des Fußbodens und der Wände in Brand geriet. Was 
half es, daß man den Hofbaudirektor Herrn Grandjean de Nontigny nach- 
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