Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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wanderten ebensoviel tausend Franken nach Paris. Ströme von Geld flössen 
dahin, da Hof- und Staatsdiener und der Adel des Landes genötigt waren, 
ebenfalls in der größten Pracht aufzutreten. Tlur hielten sich jene auf andere 
Weife schadlos, währendlder letztere sich auf lange Zeit hin in Schulden stürzte. 
Zuweilen hatte jivöme bei solchen Anlässen noch Überraschungen be 
sonderer Art. So erblickten die Gäste eines Abends am Gingange des Saales 
eine verschlossene Bude. Jedermann war neugierig zu wissen, was sich hier 
enthüllen werde, und dichte Gruppen von Damen und Herren bildeten sich 
ringsherum, als plötzlich sich die Läden auftaten und Jdröme in eigener Person 
als Handelsmann mit seiner Gemahlin in der Bude sichtbar wurde. Kings 
herum waren die kostbarsten Gegenstände, goldene Uhren, Brillantringe, 
Schmucksachen, Perlenhalsketten, Dosen mit Edelsteinen besetzt, auch schwere 
indische Schals und dergleichen ausgelegt, und mit erstaunlicher Zungen 
fertigkeit suchte nun das königliche Paar Käufer anzulocken. Trotzdem wagte 
es längere Zeit niemand, sich zu nahen, und alle hielten sich mit verlegenem 
Lächeln, Jiwme als Tabulettkrämer vor sich zu sehen, in gewisser Entfernung. 
Daß übrigens dem König die Kölle, welche er spielte, keine unbekannte sei, 
und daß er sich für den Laden besser eigne als für den Thron, wollte mancher 
im stillen bemerken. 
Endlich faßte ein Minister Mut, suchte sich eine goldene Kepetieruhr 
aus und begann darum zu handeln. Da es aber ans Bezahlen gehen sollte, 
so erklärte er, daß er um Kredit bitten müsse, indem er das nötige bare Geld 
nicht bei sich führe. Järome überreichte mit kaufmännischer Artigkeit die 
Uhr, holte ein großes Kontobuch hervor und trug mit komischem Ernste den 
Hamen des Schuldners, die Xlhr und den Preis darin ein. Durch das Beispiel 
des Ministers nunmehr dreist gemacht und froher Hoffnung, daß man hier 
ohne Geld einkaufen könne, umlagerte bald ein dichter Schwarm von Masken 
die königliche Bude. Die eine Dame suchte sich einen Brillantschmuck aus, 
die andere einen kostbaren Schal; der eine Herr wählte eine goldene Dose, 
der andere eine blitzende Uorstecknadel, und alle ließen sich, ohne zu zahlen, 
ins Schuldbuch eintragen. Hoch war keine halbe Stunde verronnen, so war 
der Laden rein ausverkauft, und der König machte die Bude zu. Am andern 
Tage schickte er dann seinen Schuldnern mit artigem Gruß die Rechnungen 
quittiert ins Haus. Eine solche überaus kostspielige Galanterie wäre, das mußte 
man zugeben, an Kurfürst Wilhelms I. Hofe nicht vorgekommen; aber da die 
Umgebung nun doch einmal zum Vergleich herausforderte, mußte man auch 
weiter einräumen, daß der alte Herr trotz seinen Eigenheiten nie und unter 
keinen Umständen aufhörte, ein Fürst zu sein. 
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