Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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bekannter Gegenden. AUsonntäglich wanderten sie mit Weib und Kind hinaus 
in die freie Tlatur, bald nach diesem, bald nach jenem Dorfe. Sie klommen selbst 
auf den fernen hohen weißner, oder sie fuhren zu Schiffe die Fulda hinunter, 
durch das prächtige Tal nach dem sogenannten Kragenhof — den Lasseiern 
damals eine völlige terra incognita. lind wenn sie dann heimkehrten und laut 
die Schönheit der Gegend rühmten, und da auch der König mit der Königin 
auf ihrer Pacht, einem Geschenk des Königs von Holland, jene Gegend auf 
gesucht und sich entzückt gezeigt hatten, wagten sich die Bürger endlich hinaus 
und waren ebenso überrascht wie die Fremden. Bald wimmelte es in Katha 
rinental, Hofgeismar und Münden ebenso wie auf den nächsten Dörfern von 
Lasseier Familien. Grosze Gesellschaften von hundert und mehr Personen 
fuhren in bunt bewimpelten Schiffen den Fluh hinauf und hinunter, stiegen 
bald hier, bald dort ans fand und tanzten bis zum hellen Morgen. Da 
mals wurde es sogar schon Sitte, den Sommer über den Aufenthalt auf dem 
Tande zu nehmen, was den Bauern in doppelter Hinsicht zugute kam: neben 
dem materiellen Erwerb lernten sie ihre groben Ecken und Kanten etwas ab 
schleifen. 
Für die Geselligkeit in der Stadt war natürlich der Hof wiederum maß 
gebend. Hatte der Kurfürst alle Freude und Tebenslust durch sein nörgelndes 
Wesen gestört, so wollte Jivöme in erster Linie feiner Ziuillifte von 5 Millionen 
Franken froh werden. Feenhaft waren die Zauberfeste in Schönfeld und auf 
Tlapoleonshöhe, wenn Park und Seen durch Tausende von bunten Lampen 
erleuchtet waren und der Hof unter den herrlichen Eichen und Fichten, wie 
sie in jener Zeit noch in reichen Beständen vorhanden waren, Tafel hielt. Und 
die Bälle im alten Schlosse, vor allem die Maskenfefte, die das Königspaar 
gab, waren wohl das üppigste und Glänzendste, was Cassel je gesehen. Tausend 
Eintrittskarten wurden vom Großmarschall der königlichen Schlösser ohne 
Unterschied des Ranges an die Honoratioren von Cassel und Münden aus 
gegeben. Drei große Säle nahmen dann die Geladenen auf. Der König und 
die Königin eröffneten den Ball mit einer Franq:aise. Während jedoch die 
letztere wegen ihrer Korpulenz und etwas untersetzten Leibesbeschaffenheit 
den Tanz nicht liebte und sich gewöhnlich bald zurückzog, waren die Maske 
raden eben so recht nach Jerömes Geschmack. Er erschien bald in dieser, bald 
in jener Verkleidung und wechselte nicht selten sechzehnmal an einem Abend 
die Anzüge, Dann ließ er sich Damen zeigen, welche französisch sprachen, 
und freute sich wie ein Kind, wenn es ihm gelang, sie durch seine proteus 
gleichen Verwandlungen zu mystifizieren. Allerdings war es selbst für einen 
König ein kostbarer Scherz, denn für die 16 Anzüge eines solchen Abends 
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