Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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die er dann dem allgemeinen Hofklatsch preisgab. Sein Nachfolger, der Ge 
neral Bongars, handhabte dagegen die Polizeigewalt uiel schärfer. 6in Heer 
von Spionen, männlichen und weiblichen, stand im Solde der heiligen Her- 
mandad. Kein Brief war sicher, jedermann lief Gefahr, wegen einer unbe 
dachten Äußerung denunziert zu werden. Han denke sich den Schrecken und 
das Entsetzen einer Bevölkerung, die bisher sich ohne Polizeiaufsicht in Ord 
nung erhalten hat, wenn bald dieser, bald jener ehrliche Mann ohne Verhör, 
ohne nur seinen Ankläger zu kennen, ins Gefängnis wanderte und wochen 
lang schmachtete. Ein unbeschreiblicher Jngrimm gegen dieses bis dahin un 
bekannte Jnstitut der geheimen Polizei hat die damalige Generation er 
griffen; er heftete sich in Cassel zumal an die Person des Polizeiagenten würtz, 
eines Preußen von Geburt und eines der niedrigsten Menschen, die man sich 
denken kann. Er übte einen wahren Terrorismus aus in der Stadt, nicht nur 
um für feine Person Geld zu erpressen, sondern auch um Brauen und Mädchen 
zu verführen. Und war es ihm gelungen, eine in feine Netze zu locken, hatte 
er über ihren Leichtsinn triumphiert, so ließ er ihr die Wahl, entweder unter 
die Zahl der öffentlichen Dirnen eingereiht zu werden oder als geheime Denun 
ziantin sich gebrauchen zu lassen. Ein wahrer Teufel in Menschengestalt, war 
er zweimal wegen Mißbrauchs seiner Stellung und Betrugs infam kassiert 
und doch wieder herangezogen worden, weil man seiner nicht entbehren zu 
können glaubte. Man mußte einen schlechten Begriff von einer Regierung 
bekommen, die solcher Stützen bedurfte. 
Nächst dem Theater verschlang die Polizei die größten Summen des 
Staatshaushalts, und doch hatte sie sich nicht bewährt, eben weil sie vorzugs 
weise das Privatleben des harmlosen Bürgers zum Gegenstände ihres Spionier 
systems machte, das wirklich Wichtige dabei aus den Augen verlor. 
Jeßt suchte sie, wie schon gesagt, die Scharte auszuwetzen. Das Kastell 
an der Fulda ward bald zu eng für die Menge der Gefangenen, und trostlos 
war es, die Frauen und Kinder jammernd davor zu sehen, noch schrecklicher 
aber, wenn allmorgendlich der Wagen nach dem Forst hinausfuhr, beladen mit 
den Gefangenen, die dort als Opfer ihrer Treue bluten sollten. Durfte auch 
die Stadt Cassel getrost beteuern, daß sie mit den Aufständischen nichts gemein 
gehabt habe, und konnte der Maire der Residenz, ein Herr von Canstein, 
gefolgt von 52 Bürgern dem König eine Ergebenheitsadresse überreichen, 
ohne seine Gefühle fügen zu strafen, so klang es doch wie Hohn, wenn dieser 
selbe Beamte zum 15. November des Jahres 1809 dem damals in Paris wei 
lenden König namens der Stadt ein Gedicht überreichen ließ, in welchem es 
unter anderem hieß: 
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