Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Strümpfen, eine alte Hellebarde oder eine Hakenbüchse auf der Schulter, 
den Nachtdienst verrichteten. 
Auf König Jeröme hatte die unerwartete Kunde des Aufstandes einen 
erschütternden Eindruck hervorgebracht. Er konnte nicht anders glauben, 
als daß mit dem Obersten von Dörnberg auch der größte Teil des westfälischen 
Militärs zu den Aufständischen übergehen würde, und es war nahe daran, 
so wäre er mit der Königin Hals über Kopf entflohen. Erst die Überzeugung, 
daß Offiziere wie Soldaten, einige wenige ausgenommen, treu zu ihm standen, 
und die ruhige Haltung der Residenzstadt gaben ihm die Fassung wieder, 
welche man später so sehr an ihm gerühmt hat. 
war seine Bestürzung verzeihlich, so war sie allerdings unverzeihlich 
bei derjenigen Behörde, deren Aufgabe es gewesen wäre, den König vor Über 
raschungen der Art zu bewahren, nämlich bei der hohen Polizei. Sie hatte von 
der weitverzweigten Uerschwörung auch nicht die leiseste Ahnung gehabt, 
und ihr Fiasko war kläglich, üm so mehr suchte sie jetzt durch nachträgliche 
Denunziationen ihren Eifer zu betätigen und ihrem Jngrimm Tust zu machen, 
wenn Jeröme damals durch die persönliche Milde, die er gegen die Opfer der 
Verschwörung walten ließ, sich viele Herzen gewann, so machte das unheim 
liche Treiben der Polizei solches großenteils wieder zunichte. Wie fein kaiser 
licher Bruder in Paris glaubte auch Jeröme in Cassel nicht ohne den gewaltigen 
Apparat einer weitverzweigten geheimen Polizei regieren zu können, als fei 
diese stille Stadt ein ähnlich brodelnder Hexenkessel wie jene. Eine solche 
Einrichtung war dem aufrichtigen, deutschen Charakter seiner Untertanen so 
durchaus fremd! Jm alten Cassel hatte sich die Tätigkeit dieser Behörde vor 
nehmlich auf die Erhaltung der Ordnung in den Straßen beschränkt, was ihr 
bei der Ungezogenheit der lieben Jugend, trotzdem mancher allzu übermütige 
Gassenjunge zuweilen zum allgemeinen Gaudium der übrigen vor dem Rat 
hause öffentlich ausgeprügelt wurde, schwer genug wurde, so daß selbst der 
Eandgraf nicht feiten persönlich eingreifen mußte, wenn der ünfug zu toll war. 
Jn den patriarchalischen Verhältnissen des abgewichenen Jahrhunderts hatte 
das Mißtrauen zwischen Fürsten und Volk eben noch keine Wurzel geschlagen. 
Das ward jetzt anders. Jerome fuhr nicht von feinem Schlosse zum The 
ater, ohne von einem Schwarm von Gendarmen und Polizeiagenten umgeben 
zu sein, gleich als fei er beständigen Mordanschlägen ausgesetzt. Herr £a Jar- 
rettiere, der Chef der hohen Polizei in der ersten Zeit des Königtums, ein an 
maßender und zudringlicher Schwätzer, der sich mit seiner Person möglichst 
wichtig machte, war noch verhältnismäßig harmlos, indem er sich an der Aus- 
schnüffelung von Familiengeheimnissen und Eiebesgeschichten genügen ließ, 
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