Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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ein deutsches Gedicht, das von den Majestäten gnädig, aber verständnislos 
entgegengenommen wird. Mehr fesselt der Triumphbogen die Aufmerksamkeit 
der höchsten Herrschaften und insbesondere das mächtige Gemälde, das an 
seiner Vorderseite angebracht ist. 6s ist eine huldigende Allegorie im Geiste 
der Zeit, in streng klassizistischem Stil, den Sonnengott darstellend, wie er auf 
seinem Viergespann der 6rde sicht bringt. Vorauf schwebt der kaiserliche 
Aar, einen sorbeerkranz in den Fängen, und die Umschrift lautet: 
Quot uictrix meruit uirtus repetita coronas, 
Tot sacrum exornat gloria clara caput. 
Zu deutsch: So viele Kronen die sieghafte, oft bewiesene Tapferkeit verdient 
hat, mit so vielen schmückt der strahlende Kuhm ein geweihtes Haupt. 
Ohne sich mit der Deutung der (im Grunde recht nichtssagenden) Um 
schrift, wozu Bromes satein auch kaum ausgereicht haben würde, aufzuhalten, 
fuhren die Majestäten weiter zum alten Residenzschlosse, unterwegs noch ein 
mal in der Tlähe der katholischen Kirche verweilend, um den Segen und die 
Weihrauchspende ihres zukünftigen Seelsorgers, des Kanonikus Rieger, ent 
gegenzunehmen. 7m ersten oder Vorhofe des Schlosses fand die dritte Be 
grüßung statt, für den König gewiß die anziehendste. Denn hier standen die 
schönsten Jungfrauen der Stadt in weißen und blauen Gewändern, und nachdem 
sie der jungen Königin auf goldgesticktem Kissen ein Gedicht überreicht hatten, 
streuten sie dem fürstlichen Paar Blumen auf den Weg bis vor die königlichen 
Gemächer. Sie wurden mit den huldvollsten Beweisen der Gnade entlassen. 
Auch die Bewohner Cassels mosaischen Glaubens hatten sich unweit 
des Residenzschlosses aufgestellt, um unter Überreichung eines Gedichtes in 
französischer, deutscher und hebräischer Sprache ihre Huldigung darzubringen 
und dem neuen Souverain die Hoffnungen und Wünsche kundzugeben, 
die sie unter seiner Regierung erhofften. Allein die von allen Seiten herzu 
drängende Menschenmenge war zu groß, das Jubeln und Vivatrufen so laut, 
daß sie eine ihren Wünschen besser entsprechende Gelegenheit abzuwarten, 
sich entschließen mußten. 
Hackmittags 4 ühr war große Galatafel im Schloß, am Abend war 
die ganze Stadt großartig illuminiert, insbesondere die beiden Rathäuser 
der Alt- und Oberneustadt und das Schloß mit den Kolonnaden. 
Jeröme gab sich mit dem ganzen Feuerelfer der Jugend seinem könig 
lichen Berufe hin und arbeitete ununterbrochen; selbst bei dem am 13. De 
zember stattfindenden großen Empfang war er nicht zugegen und überließ 
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