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des Abends, nachdem es finster geworden, ein
genommen und die Franzosen zogen sich auf das
Schloß, zu dessen Belagerung sogleich die Anstalt
vorgekehret und dazu Hernachmals die schwere
Artillerie von uns abgesand wurde. Wir fou-
ragirten aus diesem Lager einigemahl von Gemünd.
Den 10ten September marchirte die Armee,
Marburg linker Seite liegen lassend, in das Lager
bey Niederweimar. Ich aber ritt über Wetter
voraus nach Marburg. Den Abend vorher hatten
unsere Batterien auf das Schloß zu spielen an
gefangen und bey meiner Ankunft in der Stadt
ging ein Französischer Officier mit Capitulations-
vorschlägen nach Niederweymar zum Haupt-Ouar-
tier ab und mitlerweile wurde von beyden Seiten
mit dem Schießen aufgehört. Da aber die Gar
nison annoch auf einen freyen Abzug bestand, so
wurde er unverrichteter Sachen und mit verbundenen
Augen wieder zurück in die Stadt und alsdann
auf das Schloß gebracht. Weil ich nun von jener
Seite der Stadt an der Lahne weg durch die
Ebene über zwey Stunden näher nach dem Lager
hatte, als der Weg zurück und in der weiten Ent
fernung um das Schloß her gewesen wäre, so
setzte ich, sobald der Officier wieder in die Stadt
kam, in vollen Galop zum Thore hinaus, ritte
unter dem Schlosse weg durch die Ebene und er
reichte glücklicherweise zu gleicher Zeit das Gebirge,
welches den ferneren Weg. der zum Lager führte,
deckte, da die Franzosen wiederum von der Schloß.
Bestung zu feuern anfingen. In der Nacht
fouragirten wir unter einer Bedeckung von Dra
gonern in einem Orte, der auf 2 Stunden vor
der Fronte jenseits der Lahne lag. Den Ilten
ergab sich die Garnison auf dem Schlosse zu Mar
burg zu Kriegsgefangenen, und es wurde von uns
besetzet. Den 12ten fouragirte ich von Schweins
berg, den löten aus dem Magazin von Marburg
und den 181en aus einem Orte, der auf der Seite
gegen Kirchhayn zu lag. Den 20ten brach die
Armee wieder auf und bezog weiter vorwärts ein
anderes Lager, den 21ten aber rückten wir in das
Lager bey Crofdorff, so daß wir Gießen eine kleine
Stunde vor unserer Fronte hatten und die Lahne
beyde Armeen von einander absonderte; unsere
Brigade-Artillerie kam in das Centrum der Armee
an ein Holtz hinter der Fronte zu stehen.
Den 2ten Oktober marchirte eine Verstärkung
mit einer Anzahl schweren Canonen aus unserm
Lager zu der bereits unternommenen Belagerung
von Münster ab. Ich aber ging diesen Tag mit
2 Schaffers über Marburg nach Amoeneburg und
den 3ten auf Schweinsberg, Neustadt und Kirch
hayn und sodann wieder nach Amoeneburg, um
aus diesen 4 Ortern erkaufte Fourage nach dem
Lager zu senden, zu deren Transport die beyden
Maynzischen Ämter Amoeneburg und Neustadt
die Fuhren stellen musten. Ich erhielt ein Kom
mando Hanöverscher Dragoner von einen Unter-
officier und 18 Mann mit, um selbige so wohl
zur Escorte der Fourage nach dem Lager als zur
Beitreibung der Wagens zu gebrauchen. Nachdem
ich nun verschiedene Transporte weggesand hatte,
so ließ ich, nachdem ich den 12ten nach Neustadt
und wieder zurück nach Amoeneburg geritten war,
den 13ten in Schweinsberg wiederum eine Anzahl
Wagens beladen und solche mit einem Schaffer
und 6 Dragonern nach einem 2 Stunde von da
nach dem Lager zu liegenden Dorfe abgehen. Aus
Amoeneburg und Kirchhayn sandte noch verschiedene
mit 6 Dragonern dahin ab und im letztern Orte
erwartete ich den Transport mit einem Schaffer
und 6 Dragonern nebst den Unterofficier von
Neustadt. Nachdem derselbe gegen Abend eintraf,
so ließ ich selbigen nach dem Versammlungsdorfe
nachfolgen, und ich ritte dahin voraus, fand aber
bey meiner Ankunft weder Commando noch Wagens
vor. Sie waren mit dem Anbruch des Abends,
da sie benachrichtigt worden, daß ein starkes Com
mando Franzosen eine halbe Stunde von da ein
getroffen, aufgebrochen und hatten sich nach der
Ebsdorfer Schanze gezogen, die mit Infanterie
und Kavallerie von uns besetzet war. Der Schaffer
war dahin vorausgeritten und darauf aus der
selben einige Kavallerie zum recognosciren aus-
gesand, unter deren Bedekung der ganze Transport
glücklich daselbst angelanget war. Die französische
Vorposten, von deren Corps ich die Feuers sehen
konte, standen würklich an diesem Dorfe. Ich
nahm daher in aller Stille zwey Boten, ging
damit wiederum zurück dem Transport entgegen,
wandte mich mit selbigen rechts von der Straße
ab durch das Feld auf die Gegend von Marburg
zu, ließ den einen Boten mit einem Dragoner
vor demselben vorausgehen, den Schaffer daran
immer auf und abreiten, um ihm beständig ge
schlossen im Zuge zu erhalten, ich aber blieb mit
den andern Boten und den übrigen 5 Dragonern
nebst dem Unterofficier hinten, um ebenfals einer
Patrouille die Spitze zu bieten. In der Nacht
nach 12 Uhr langte ich in einem Dorfe an, welches
von den vorigen anderthalb Stunden entfernet
war. Es brach mir vor demselben an einem
Wagen ein Rad und an einem andern eine Deixel,
welche ich hier wieder anschafte. und denen Ochßen,
womit die Wagens sämtlich bespannet waren, etwas
Heu vorwerfen ließ, weil sie für Mattigkeit um
fielen, da sie seit des Morgens früh im Zuge
gewesen waren. Mitlerweile stelte ich die Dra
goner auf die Seite der Wagens für das Dorf