Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Aufwartung machte und sie feines Schuttes versicherte, ebenso benahmen sich 
die Soldaten durchaus gesittet. 
Freilich konnte der Marschall nicht hindern, und es war sehr gegen feine 
und feines obersten Kriegsherrn Absicht, daß am selbigen Tage, wo das 8. 
französische Korps unsere Stadt besetzte, auch des Kaisers Bruder, König 
Eudwig, mit 20000 Holländern von Horden her sich näherte; vor dem Müller- 
tore angelangt, mußte derselbe freilich mit Herdruß wahrnehmen, daß er zu spät 
gekommen. 6s heißt, die Holländer hätten nichts Geringeres im Schilde ge 
führt, als Cassel einer regelrechten Plünderung zu unterwerfen. Mortier, 
zwischen dem und dem Könige von Holland schon damals eine gewisse Span 
nung bestand, hatte indessen keine Neigung, seinen Soldaten die Quartiere 
durch die wenig beliebten Gäste schmälern zu lassen; die Holländer mußten 
vor dem Müllertore in Zelten biwakieren, und nur ihr König mit feiner Gene 
ralität durfte in der Stadt Quartier nehmen. Schon am 3. November zog 
Eudwig weiter, und am 6. folgte der Marschall mit seinem Stabe, nachdem 
zwei Tage zuvor das Gros seiner Truppen nordwärts abmarschiert war, 
um gegen Blücher ins Feld zu rücken; nur 2 Bataillone blieben zur Besatzung 
hier. Hum Dank für die gezeigte Menschenfreundlichkeit verehrte die Stadt 
dem Marschall vier kostbare Pferde. 
Am 2. November war General Eagrange als der vom Kaiser der Fran 
zosen bestellte Generalgouverneur des Kurfürstentums hier eingetroffen. 
6r nahm im fürstlichen Residenzschlosse, ob es gleich die Kurfürstin noch nicht 
einmal verlassen hatte, Wohnung und betitelte es „Palais du Gouvernement". 
Hon ihm aus erließ er am 4. November feine erste Proklamation, die zwar 
sehr maßvoll gehalten und unter bewandten Umständen wohl geeignet war, 
beruhigend zu wirken, die aber auch keinen Zweifel darüber ließ, daß Kur 
hessen aus der Keihe der selbständigen Staaten zu verschwinden verurteilt 
sei. 6s war hier bereits angedeutet, was der Kaiser in einem Schreiben an 
Eagrange vom 5. November als feine Willensmeinung bezüglich des Kur 
fürsten kund gibt: „Annoncez que ce Prince ne peut plus rögner; que je ne 
souffrirai pas für mes frontieres un prince ennemi plusque Prussien, mais 
Anglais, et uendant ses sujets pour me faire la guerre dans les deux mondes." 
Eagrange brachte demnach das Eand zunächst finanziell in seine Hände, 
indem er alle herrschaftlichen Kassen mit Beschlag belegte, sich alle Anwei 
sungen vorbehielt und eine Kriegskontribution von 6 Millionen Franken 
auferlegte. Dann wurde dessen militärische Eeistungsfähigkeit vernichtet 
durch die Abführung aller Offiziere vom Obersten bis zum Hauptmann in 
Kriegsgefangenschaft und durch das Gebot, bei Todesstrafe alle Waffen abzu- 
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