Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Adel und Bürgerschaft waren streng geschieden. Denn alle Neuerung war Wil 
helm IX. verhaßt, und seine ganze Politik ist beherrscht von der furcht vor 
der Revolution. Das Eindringen Umstürzler!scher Jdeen aus dem revolutio 
nären Frankreich war ihm ein Greuel; er suchte solche mit allen Mitteln seinem 
Völkchen fern zu halten, weshalb fein landesväterliches Regiment in den 
90 er Jahren einer Bevormundung unmündiger Kinder nicht ganz unähn 
lich ist. Die Zeitungen durften keine Berichte bringen, ebensowenig der Buch 
handel. Als ein Sohn des hiesigen Kaufmanns Womrath, der sich in Paris 
aufgehalten und dort dem Jakobinerklub angehört hatte, zum Besuche seiner 
Eltern kam, wurde er ausgewiesen. Die Einwanderung der Emigranten aus 
der französischen Aristokratie war dem Landgrafen, allerdings nicht mit Un 
recht, wenig angenehm, und er ließ sie, sobald es ging, abschieben. Alle Zu 
sammenkünfte der Bürger, sie mochten einen Zweck haben, welchen sie wollten, 
wurden als Uorübungen für die Revolution mit Mißfallen betrachtet. So 
als im Jahre 1793 die hiesigen Zünfte dem Landgrafen eine Bittschrift über 
reichten, daß bei der damaligen Abwesenheit des größten Teiles der Truppen 
(die im fremdländischen Solde standen) die Kontribution auf die Hälfte herab 
gesetzt werden möge, erfolgte die Weisung, künftighin bei Zuchthausstrafe 
nur im Beisein der Oberzunftmeister zusammenzukommen und Gesuche nicht 
ohne deren Attest einzureichen, Ähnlich erging es einem Gesuch um Gestat 
tung einer Zusammenkunft der Gilden behufs Abfassung einer Eingabe wegen 
Verminderung der allzu hohen Brotpreise (1801). Sie alle, mochten sie auch 
noch so unverfänglich sein, wurden ungnädig aufgenommen mit dem Be 
merken, daß alles lediglich Serenissimi landesväterlicher Fürsorge anheimzu 
stellen fei. Sogar das Beifallklatschen im Theater war, wenn nicht von oben 
das Zeichen gegeben wurde, als Äußerung allzu selbständiger Gesinnung ver 
pönt, und als einmal (im Jahre 1794) bei der Aufführung der Mozartschen 
Oper „Titus“ der Oberkammerherr der Landgräfin, Herr von Moltke, in dem 
Glauben, daß letztere eine Handbewegung zum Applaudieren gemacht habe, 
das Zeichen zum Beifallklatschen gab und darauf von dem von der Auf 
führung entzückten Publikum aufs lebhafteste geklatscht wurde, war der Land 
graf, der an dem Abend der Vorstellung nicht beigewohnt hatte, höchlich 
entrüstet und verbot derartige freiheitslüsterne Kundgebungen ein für alle 
mal. So war ihm auch die Mode der Revolution, der Zylinderhut und die 
lange Hose nebst dem unfrisierten und nicht zum Zopf gedrehten Haar, tief 
verhaßt, und um feinen Casselanern die Tracht lächerlich zu machen, ließ er 
die Eisensträflinge, welche damals das Kehren der Straßen zu besorgen hatten, 
in besagte Kleidung stecken, was indessen der Mode keine Schranken gesetzt 
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