Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Der eigentliche Grund, warum der neue Tandgraf den Teichnam seines 
Daters aus dem Schlosse entfernen lies;, so lange er selbst anwesend war, dürfte 
wohl der sein, das; er mit dem ersten Ostertage 1760, den 6. April, daselbst 
einen katholischen Gottesdienst einrichten Uetz. Dieser fand, da den Rever- 
salien zufolge der evangelische in der Schlosskirche fortdauern mutzte, in dem 
sogenannten Engelsgemache statt, das Friedrich zur Kapelle herrichten Uetz. 
Die Anwesenheit des Daters, selbst des toten, unter demselben Dache mochte 
ihm bei seinem Messedienft störend sein. 
Dem Charakter Friedricks entsprach es, das; er — anders als die Kon 
vertiten gewöhnlich — von allem Fanatismus in Religionssachen frei, und 
man kann sagen, indifferent war. Eitel und unselbständig, hatte er sich stets 
fremden Einflüssen allzuleicht zugänglich erwiesen. Darum misstrauten ihm 
jetzt scharfe Menschenkenner, wie König Friedrich II. und Herzog Ferdinand, 
auch in politischen Dingen und befürchteten einen Systemwechsel in Hessen- 
Cassel, den herbeizuführen, französische und österreichische Diplomaten eifrig 
am Werke waren. Bei der Rachricht von Wilhelms VIII. Tode Uetz Herzog 
Ferdinand Cassel sofort in Derteidigungszustand fetzen und die Garnison derart 
verstärken, datz die Hannoveraner die Mehrzahl ausmachten. Dies werde, 
wie er an König Friedrich schreibt, unter dem Schein, die Stadt und die Bei 
setzung der fürstlichen Teiche vor Überrumpelung sicher zu stellen, wohl dazu 
beitragen, die Unbeständigkeit des Geistes, die man dem Rachfolger zu schreibe, 
etwas zu festigen. Und der König, indem er den Hintritt seines beftenFreundes 
beklagt, erwidert: „Sie haben Recht, datz Sie dem Rachfolger misstrauen. 
Sie kennen seinen Charakter, und ich bin im übrigen überzeugt, datz der Wiener 
Hof und selbst der von Dersailles alles in Bewegung setzen werden, um uns 
diesen flatterhaften und unbeständigen Fürsten abtrünnig zu machend 
Aber der Tandgraf widerstand allen Dersudumgen. Der Subsidienver- 
trag mit England war am 17. Januar 1759 auf weitere 4 Jahre erneuert wor 
den; er selbst vermehrte aus freiem Antrieb das hessische Hilfskorps auf 
22000 Mann und organisierte es nach preussischem Muster. Rur in einem war 
Friedrich halb. 6r hatte eine ganz besondere Dorliebe für seine Residenz, 
wie er später auch durch seine Derschönerungsbauten bewiesen hat. Run 
sollte er die Festungswerke, insbesondere die um die Oberneuftadt, welches 
die schwächste Seite war, ausbauen lassen. Tatsächlich wurden täglich 300 
Arbeiter vom Eichsfelde, sogenannte „Mainzer“, zum Schanzenbau heran 
geholt. Aber in Friedrich lebte eine ängstliche Besorgnis, datz Cassel einer Be 
lagerung ausgesetzt werden könne, und feine häufigen Proteste und die Der- 
sicherung, datz er seine Residenz in keinem Falle verlassen werde, mutzten auf 
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