Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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nachträglich haben die Franzosen ihr brutales Vorgehen damit zu be 
schönigen gesucht, dal; sie erklärten, die Verschärfung der Haft mit Wasser 
und Brot und dal; die Gefangenen auf dem bloßen Fußboden hätten schlafen 
müssen, sei erst ergangen, als der Föbel auf den Gaffen einige „unanständige“ 
Reden gegen die Franzosen ausgestofjen habe. Eine solche Entschuldigung 
ist doch zu fadenscheinig; vielmehr ist es nicht unmöglich, daß ein gerade in 
jenen Tagen einlaufendes persönliches Schreiben des Herzogs Ferdinand an 
den Prinzen Soubise vom 31. Juli, in welchem ersterer sich insbesondere über 
Foulons brutale Requisitionen beklagte, diesen zur hellen Wut entflammte. 1 ) 
Soubise nahm die Kreatur seines Hofes natürlich in Schutz. Hessen sei das 
jenige fand, antwortete er am 11. August, das bisher vom Krieg am wenigsten 
gelitten habe. Aber die Einwohner von Cassel hätten den auferlegten Kontri 
butionen einen nicht zu billigenden Widerstand entgegengesetzt; mit Mühe 
hätten sie 150000 Ciures aufgebracht. Vnd trotz dieses bösen Willens hätte 
man sich der mildesten Nittel gegen sie bedient; ja die mit Frankreich 
verbündeten Länder könnten sich nicht beklagen, wenn sie vorkommenden 
Falles in eben solcher Weise behandelt würden. Der Herzog hielt es unter 
seiner Würde, hierauf zu antworten. 
Foulon aber, der Approbation seiner Vorgesetzten sicher, ging weiter. 
Da, wie bei dem Mangel an barem Geld zu erwarten, die Einlösung der 
Schuldscheine nur langsam vonstatten ging, beauftragte er einen kongenialen 
Geist, den Obersten und Freischarenführer Fischer, mit der Exekution. 
Dieser, ein verdorbener Gießener Student, hatte zu Beginn des Krieges 
ein Husarenfreikorps geworben und in den Dienst Frankreichs gestellt, das 
bald der Schrecken der Länder war, wohin die Franzosen kamen. Weit mehr 
als diese waren die „Fischer“ wegen der Unbarmherzigkeit, mit der sie gegen 
ihre deutschen Landsleute verfuhren, von diesen gehaßt und gefürchtet; wo 
sie sich nahten, mußte man auf das Schlimmste gefaßt sein. Jhr Oberst und 
Anführer fand später einen unverdient ehrlichen Tod in einem Zweikampf. 
— Diesem also übertrug Foulon das traurige Geschäft, und Fischer rechtfertigte 
das in ihn gesetzte Vertrauen: er drohte, wenn binnen drei Tagen die ver 
langte Summe von 100000 Talern nicht entrichtet werde, so werde er den 
Bürgern ihr sämtliches Silberzeug fortnehmen und dann die Stadt an allen 
vier Ecken in Brand stecken lassen. Denn es fei das Begehrte für Cassel eine 
Kleinigkeit, und wolle er leicht dreimal soviel finden. Für seine Mühewaltung 
ließ sich der Braue daneben noch täglich eine Extravergütung von 72 Talern 
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1) u. UJestphalen: Geschichte der Feldzüge Herzog Ferdinands u. Br., Bd. 2, S. 81. 
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