Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

richtung einer eigenen, nur vom Landesherrn abhängigen Polizeibehörde 
für Cassel unter ausdrücklicher Ausschaltung äer Stadtbehörde, und der diesem 
„Corpo" zuzuweisenden Kompetenzen. 
Tatsächlich ist eine solche Behörde erst im Jahre 1735 in hiesiger Stadt 
ins Leben getreten. Was dem Verfasser der Denkschrift die Anregung dazu 
gibt, ist Zunächst das Steigen aller Preise, das er lebhaft bekämpft und mit 
Polizeimitteln wieder auf das alte Maß Zurückschrauben will. Doch entwickelt 
er den Plan nach allen Dichtungen hin. Uns ist leine Klage der Beweis dafür, 
daß wieder Geld im Lande ist, dah es den Leuten wohl geht, darauf auch die 
Bemerkung des Ungenannten hinweist, dah die Leute fortwährend über die 
hohen Abgaben räsonnieren. „Aber (sagt er) wan der Bürger sich oder leine 
Frau und Kinder kleyden toll oder eine Blochzeit, Kindtauf oder tonst eine Ga- 
fterey vor ist, so muH alles aufs koftbahrefte sein, kein Duck oder SeidenZeug 
kan to theur sein, keine Dictualien to koftbahr, to muH solches angeschafft 
werden. Ja selbst das Gelinde, to kaum das ganZe Jahr 5 oder 6 Keicksthaler 
Lohn bekombt, trägt lick dermahen über ihren Stand, dah ihr Lohn kaum 
ausreickig ist, Schuh und Strümps Zu beZahlen." — Line Dermutung über die 
Perfon des Verfassers zu äuhern, wage ich nicht, doch steht fest, dah derselbe 
eine lehr genaue Kenntnis der Stadtverwaltung betah. 
Jn dieser Zeit erlitt das städtische Vermögen einen geradezu unver- 
windlicken Verlust: der gesamte Silberschatz, der lick im Laufe der Zeit auf 
dem Kathaute angesammelt hatte, wurde verkauft. Nachdem es bis zum 
Jahre 1577 üblich gewesen, dah jeder neu in den Kat erwählte Schöffe einen 
JmbiH im Katskeller gab, wurde damals durch BetckluH der Stadtbehörde 
solcher „Jmmes" abgestellt und jeder neue Katsherr verpflichtet, einen sil 
bernen übergoldeten Becher, nicht unter 20 Gulden wert, aufs Kathaus zu 
stiften. ^Kundert Jahre später wurde der Silberschat) registriert, gewogen 
und geschätzt, und es fanden tick 70 Becher vor, darunter viele mit Deckeln; 
den ältesten hatte der Goldschmied Lolman Bischer 1532 gefertigt. AuHer 
2 doppelten übergulten Duplet, worunter im Buh der Stadt Klappen be 
findlich, ferner der Stadt Cassel Kappenbecher mit Deckel, einer „uff die 
Zier vergulten Schale mit zween Griffen" und einem Dutzend silberner 
Löffel wird besonders hervorgehoben die grohe Katskanne von 1658 (Abb. 
Bafel 9). Der Grund der Jnventaritation war wohl der, dah die Becker- 
tckenkungen im Laufe der Jahre etwas auher Gebrauch gekommen waren. Gin 
KatsbetckluH vom 5. Januar 1665 beklagt es tief, dah „diele nützliche und löb 
liche Gewohnheit, ohne dah man wissen können, aus was Ilrtacken, wenig 
beobachtet und exereiret worden. Dahero wier Bürgermeister und Kaht hie-
	        

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