Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Leider hat das vornehme Haus neuerdings im Innern große Einbuße 
erlitten: man hat die prächtigen Barockbeschläge entfernt, und auch von den 
EichenhoIMfelungen ist nur wenig noch vorhanden, aber das Wenige läßt 
noch die einstige bracht erkennen. Den Baumeister weiß man nicht. 
Ruf Karls 7nitiative geht auch die Heinhaltung, hellere Pflasterung 
und abendliche Beleuchtung der Straßen Zurück. Und wenn diele Neuerungen 
auch vielleicht nicht lo lehr in dem Wunsche, der Bevölkerung das Beben 
angenehm zu machen, als in dem, leine Residenz möglichst ansehnlich und vor 
nehm zu gestalten, ihren letzten Grund hatten, lo kamen lle doch der All 
gemeinheit zugute. Wenn vor dem "Jahve 1706 es allgemeine Gepflogenheit 
war, allen Kehricht und sonstigen „Unflat" einfach auf die Gaffe zu schütten 
und es der überall durchfliegenden Drusel zu überlallen, wie sie mit ihm fertig 
werden wollte, lo wird durch Verordnung vom 31. Mai des genannten 7ahres 
(Hess. £00. III, 548) die regelmäßige Kummerabfuhr dreimal in der Woche 
angeordnet. — 5tratzenpflaster hatte man schon im 16. 7ahrhundert hier, 
allein unter der Höhe des 5chmutzes war es kaum sichtbar, und es wäre zu 
feiner Erhaltung wenig geschehen, wenn nicht Bürger und Bürgerinnen von 
bemerkenswertem Gemeinsinn zur Erhaltung der 5teinwege und Brücken 
in- und außerhalb der 5tadt zuweilen kleine Vermächtnisse gemacht hätten, 
viele letzteren waren in der Hot des 17. 7ahrhunderts in Rbgang gekommen, 
und erst zu Beginn des folgenden war der größte Teil der hiesigen Straßen 
mit großen Kosten neu gepflastert worden. Es muß, wie die obige Verordnung 
dies geradezu ausspricht, bis dahin maßlos unsauber darin ausgesehen haben. 
Allein erst mußte auch der Siebenjährige Krieg vorübergehen, bis das Pflaster 
wesen einheitlich geregelt wurde. Und lo war’s mit dem versuch einer abend 
lichen Beleuchtung der Stadt, die die hessische Regierung seit dem Jahre 1721 
anordnete. Hatte man bis dahin sich begnügt, bei besonderen Gelegenheiten, 
z. B. Hochzeiten oder fürstlichen Besuchen, in eisernen Pfannen oder soge 
nannten Nachtsteinen Pechfeuer anzuzünden, so wurden jetzt überall Baternen 
angebracht und zu den Kosten derselben ein Ponds gebildet, der teils aus den 
an den Stadttoren fallenden Sperrgeldern, teils aus den Aberschüssen des 
städtischen Branntweinschankes sich zusammensetzte, und über den die Ruf 
sicht dem Kammerpräsidenten von Dalwigk übertragen war1) Zur Spei 
sung der Bampen gab der Fürst aus seinen Waldungen jährlich 100 Viertel 
Bucheckern her. Allein wenn auch jeden Monat die Baternen nur 20 Tage 
und im Sommer überhaupt nicht brannten, so versagten sie nach Karls Ab- 
1) Stadtarchiv, G. 162.
	        

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