Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

225 
15 
vom östlichen (dem Haupt-) Eingang, und einige Splitter des Geschosses drangen 
durch die Türe in das Jnnere des Gebäudes, wo sie die Statue des Merkur 
mit dem Kupido unfehlbar zertrümmert hätten, wenn diese nicht kurz zuvor 
in das sogenannte Bellevueschloß, damals nach dem Brande des alten Tand 
grafenschlosses die Residenz des Königs Jdröme, gebracht worden wäre, um 
bei einem Hoffeste als Dekoration zu dienen. 1 ) So stiftete der leichtsinnige 
Ueranstalter dieses Festes, der sonst das architektonisch-schöne Stadtbild von 
Alt-Cassel so schwer geschädigt hat, wenn auch unabsichtlich, doch etwas Gutes. 
Hm Schloß und Badegebäude ließ der Tandgraf gleichzeitig jene Park 
anlagen ausführen, die heute noch seinen Tlamen tragen, wenn auch vom alten 
Gartenstil nur das Auge des kundigen Fachmannes an vereinzelten Stellen 
noch die Spuren wahrnimmt. Die Karlsaue wurde selbstverständlich im ver 
schnörkelten Geschmack der Parks Tudwigs XIV, angelegt. Die alte Überliefe 
rung, daß des Sonnenkönigs berühmter Gartenbaumeister Andrä Tenötre, 
der Schöpfer des Uersailler Parks, in eigener Person hier gewellt und die Pläne 
zur Aue entworfen habe, ist freilich nicht zu halten, da Tenötre bereits 1700 
hochbetagt starb. Hur das steht fest, daß Kart den Rat dieses Mannes brieflich 
eingeholt hat, und wird durch den oben bereits erwähnten Uortrag des Sekre 
tärs der hiesigen Kunstakademie, der einen solchen Brief gelesen, ausdrücklich 
bestätigt. 
Bekanntlich war unsere Aue, wie auch ihr Harne besagt, eine Jnsel; 
noch heute ist die Stelle zu sehen, wo die große Fulda einen Arm, die kleine 
Fulda, links abzweigte, der etwa quer durch das große Bassin seine Richtung 
nehmend sich unterhalb des Schlosses wieder mit dem Hauptfluß vereinigte. 
Zum ersten Male genannt wird die Aue, als 1308 die Tandgrafen Heinrich 
und Johannes dem Kloster Hardehausen eine halbe Hufe Tandes daselbst 
abtauschten, — zu dem Zwecke vermutlich, um das Vorwerk in unmittelbarer 
Hähe ihres Schlosses zu vergrößern. Wesentliche Vermehrung erfuhr der 
herrschaftliche Besitz erst wieder durch Landgraf Moritz 1601 und 1604, aber 
immer noch behufs Ausdehnung der Meierei, deren Gebäude an der kleinen 
Fulda auf der Stelle des Marmorbades etwa zu suchen sind. Mehrere schmale, 
lange Teiche, auch zur Versorgung des Hofes mit Fischen, nämlich der Bleken- 
teich und der Tauterteich, zogen sich damals quer herüber zwischen den beiden 
Flußläufen, darum auch der Hoffischer daselbst (an der großen Fulda) sein 
Tosament hatte, und in seiner Hachbarschaft der herrschaftliche Entenfänger. 
Das Tusthaus hatte seinen Platz da, wo sich jetzt zwischen Schloß und Fluß 
1) Candau a. a. O., S. 15.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.