Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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zeigten andere Priuat-Jndustriezweige, die Spinnereien und Straminwebe 
reien uon Jean Daniel und Pierre Gandre, uon David Friedrich Grandi 
dier, die beide viele Hunderte von Arbeitern beschäftigten, die Garn- und 
Zeugmanufakturen von de Gastre und Pasquin, die Gandresche und die 
Collignonsche Hutfabrik, später die Posamenten- und Goldbortenfabrik von 
Descoudres, welchen glücklichen Griff der Gandgraf getan hatte. 6r half den 
werdenden Betrieben durch weitgehende Befreiung, auch durch direkte Unter 
stützung aus Staatsmitteln auf und hatte noch die Genugtuung, die Jnduftrie 
sich kräftig entwickeln zu sehen. Zahlreiche feine Handschuhmacher haben 
damals den noch heute blühenden guten Ruf der Casseler Handschuhe be 
gründet. An allen Straßenecken tauchten Confituriers und französische Zucker 
bäcker auf. 
Hm Ordnung und System in die neue Industrie zu bringen, wurde im 
Jahre 1710 durch Edikt vom 20. Januar die Kommerzienkammer ins Geben 
gerufen, eine Uorläuferin unserer Handels- und Gewerbekammern. Sie dürfte 
mit die erste derartige Behörde auf deutschem Boden gewesen sein und hatte 
als Uorläuferin nur die 1655 in Hamburg gegründete Kommerz-Deputation, 
— ein Beweis, wie weit die hessische Regierung damals den meisten übrigen 
im Reiche voraus war. Die Kammer, bei deren amtlicher Tätigkeit dem aus 
praktischen Geschäftsleuten herangezogenen Gaienelement größtmögliche Be 
teiligung zugesichert war, hatte die Aufgabe, auf stete Hermehrung und Her- 
uollkommnung der Manufakturen, Künste und Handwerke bedacht zu sein. 
Hm die zum Betrieb nötigen Kapitalien flüssig zu machen, wurde ergänzend 
im Jahre 1770 eine Kommerzienbank unter dem Hamen des Eombards auf 
Aktien gegründet, die den Zweck hatte, den Gewerbetreibenden die Auf 
nahme kleinerer Kapitalien zu erleichtern. Auch eine Ausstellung zum Zwecke 
des Herkaufs ward vorgesehen. 
Das find ganz moderne Gedanken. Hieniger modern muten uns heut 
zutage nur die Mittel an, durch welche man demjenigen der leitenden national 
ökonomischen Grundsätze, wonach das Geld möglichst im Bande behalten 
werden muß, Geltung zu verschaffen suchte; das find die Polizeiverbote für 
den gemeinen Mann — die Honoratioren und der Adel waren nicht daran 
gebunden — sich in andere als einheimische Stoffe zu kleiden oder ausländische 
Erzeugnisse, sofern sie auch das Inland produzierte, zu verwenden. 
Am liebsten hätte Karl aus seinem kleinen Bande eine einzige große 
Werkstatt gemacht. Dem Kommerzienkollegium wurde die Auflage, im 
Sinne der Gewerbeschule des Bandgrafen Moritz die gesamte heranwachsende 
Jugend, insbesondere die weibliche, zur Erlernung feinerer Handarbeiten 
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