Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

®0<3>00<j2>00<3S>00<2£>00<3Z>00<32>00<3>00<S>00<3>00<S>00<22>00<22>00<22>00<3>00<SZ>00<2£>OC 
207 
>00<22500<3S>00<32>00<32>00<32>OO^S>OOCSDOOCS>OOCS>00<32DOOCS>09<^>00<32>00<S>OOCS!2>0§ 
Andreas Meyer, Vater und Sohn, wegen des Fleifchverkaufs in ihren Häusern. 
Der Bescheid der Regierung lautete: Da das den Genannten am 7. Februar 
1693 erteilte Reskript ihnen solches nach vorheriger Besichtigung des Fleisches 
erlaubt, als wird es auch billig, soviel den Vater anlangt, dabei gelassen, nach 
dem aber der Sohn Andreas Meyer eines hiesigen Mehgers Tochter geheiratet 
und also die Gilde bereits halb von der Frau hat, so sollen Bürgermeister und 
Rat denselben dahin vermögen und anhalten, sich ganz in die Gilde aufzu 
nehmen zu lassen. Dies war die einfachste Tötung, nur nicht im Wege der 
Gewerbefreiheit. 
Man darf die Zünfte wegen ihres Festhaltens am alten nicht ungerecht 
beurteilen. Sie sorgten dafür, daß der Verdienst möglichst gleichmäßig ver 
teilt wurde: gestatteten sie nicht, Reichtümer zu sammeln, so beugten sie auch 
der Armut und Dürftigkeit vor. Dazu waren sie die Hüterinnen von Zucht 
und guter Sitte, und mit den Religionsfragen war es bei ihnen ernst. TUie 
sehr man vom reformierten Bekenntnis durchdrungen war, und wie die kon 
fessionellen Unterschiede damals auch im bürgerlichen Beben noch eine Rolle 
spielen konnten, ersieht man z. B. aus einem Streitfall der hiesigen Schuster 
gesellen, die im Jahre 1714 beim Magistrat dahier eine Klage anhängig macken, 
daß man ihnen (in einer reformierten Stadt!) lutherische Altgesellen auf 
dringen wolle. Das Stadtgericht hatte für sie entschieden. Die JCutherischen 
aber beruhigten sich nicht dabei, sie wandten sich direkt an den sandgrafen, 
dessen verständige Verfügung dahin erging, daß die Beschwerdeführer ihren 
reformierten Kollegen in allen Handwerksgebräuchen, bei der Wahl und Be 
stellung der Altgesellen und dem Vorsitz bei der fade, durchaus gleich zu halten 
feien, nur mit der Bedingung, daß die sutheraner es dahin bringen sollten, 
daß auch an den lutherischen Orten im Reich die reformierten Schuhknechte 
gleicher Freiheit genießen möchten. Daß dies geschehen, haben sie innerhalb 
einem halben Jahre beizubringen, widrigenfalls es bei dem vom Stadtgericht 
erteilten Bescheid sein Bewenden haben soll. 6s wird also, da man in den 
lutherischen fanden weit entfernt war, Toleranz zu üben, beim alten ge 
blieben sein. 
Bei solchem Zunftzwang war wenig Fortschritt zu erhoffen. Darum 
galt es die Anlegung von Fabriken und Manufakturen, wo man freiere Hand 
hatte. Den fremden Ginwanderern Rahrung zu geben, versuchte es Karl 
alsbald nach deren Ankunft mit einem großen Staatsbetrieb von allerhand 
Manufakturen, darin im Jahre 1686 an 130 Arbeiter beschäftigt wurden. 
Soviele wenigstens bildeten Spalier, als der sandgraf von seinem Antritts 
besuch bei dem Berliner Hofe am 14. Juni heimkehrte. Jm strömenden Regen 
S
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.