Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Gewerbefreiheit an sich war der Zeit noch völlig fremd, man kannte nur Aus- 
Ö nahmebestimmungen und suchte das Merkantilsystem durch solche möglichst a 
mit dem Bestehenden in Ginklang zu bringen. 0 
0 Darum leiden die Maßnahmen Karls vielfach an dem Fehler der Jnkon- a 
g sequenz, der Härte und Halbheit, so wenn seine Regierung im Jahre 1696 g 
sich durch die Darstellungen der Zünfte bewogen fand, den § 12 der Zunft- a 
Ordnung, die unbeschränkte Gesellenzahl betreffend, dahin einzuschränken, 
@ daß erst dann, wenn die arbeitslosen Meister Beschäftigung hätten, eine größere a 
g Anzahl Gesellen (nämlich mehr als zwei) von einem Meister eingestellt werden Jg 
0 dürften. 1 ) Dadurch war ein solcher unter Umständen gezwungen, statt an ge- 
u schickte Gesellen seine Arbeit an alte, faule oder unfähige Meister zu uer- 0 
A geben, wenn er sie irgend gemacht haben wollte. a 
Die Metzger waren an das Reihe schlachten gebunden und durften rohes 0 
0 Fleisch am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend nur in der Schirne verkaufen. 
^ Dagegen hatten die französischen und die sogenannten Heidelberger Gar- 
0 koche das Dorrecht, soviel zu schlachten, als sie wollten, und das Fleisch jeder- a 
„ zeit in ihren Häusern feilzuhalten. — Als den französischen Bäckern in der 0 
0 Altstadt vorgeworfen wird, daß sie das Brot zu leicht backen, wird ihnen (den a 
29. Mai 1691) uerwilligt, das Schwarzbrot um zwei und das Xüeißbrot um ein Js 
@ £ot leichter zu backen als ihre deutschen Kollegen. — Durften die Schuster a 
o nach ihrem Zunftbrief nur 3—4 Gesellen halten, so erwirkte der französische 0 
a Schuhmacher Faul Derlon für sich und seine Landsleute vom Handwerk das a 
0 Privileg (den 30. März 1701), so viele Gesellen anzunehmen, als sie wollten, 0 
a wenn sie nur ihre Kontribution darnach einrichteten. Der ewigen Beschwerden a 
0 müde, hatten sich endlich die französischen Meister in der Altstadt — es waren 0 
0 ihrer drei und sie hießen Richau, Paul Peri und Bartholomee — bereit er- a 
o klärt, in die Gilde einzutreten. Da sie, auf das Derlonsche Privileg gestützt, 7, 0 
@ 8 ja 9 Gesellen sitzen hatten und noch mehr hätten einstellen können, so läßt a 
sich annehmen, daß sie gute Arbeit lieferten. Das weckte den Brotneid, und 0 
@ die Zunftmeister weigerten sich, ihnen Gesellen zuzuweisen, was sie in der a 
ihnen auferlegten Rechtfertigung damit begründeten, daß diejenigen ihrer 0 
A Mitmeister, die nicht viel zu tun hätten, auch ihre Nahrung haben wollten. a 
0 Damit trafen sie das Wesen des damaligen Zunftzwanges auf den Kopf; 
@ wie das Publikum dabei fuhr, war einerlei. — endlich noch folgendes Bei- a 
o spiel, wie man verfuhr, um Schwierigkeiten zu umgehen. Die Metzgergilde 0 
beschwert sich über die beiden sogenannten Heidelberger Metzger Peter und a 
1) Uergl. Brauns a. a. 0., S. 52. 
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