Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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kaum zu sagen. Allzu hoch dürfen wir sie nicht veranschlagen. Die Einwande 
rung vollzog sich in zwei Hauptzuzügen, von denen der erste in den Jahren 
1685—87 geschah. Der zweite fällt in das Jahr 1698, als Eudwig XIV. die 
endgültige Verordnung erlief, daß allen die Rückkehr versagt bleiben müsse, 
die nicht ihren Glauben abschwören würden. Bis dahin hatten immer noch 
viele die Zurücknahme des unmenschlichen Dekretes erhofft. 1 ) Die Bauern 
wurden später in Kolonialdörfern angesiedelt, die Handwerker und Tlanu- 
fakturisten fanden größtenteils in Cassel und in der Tlähe eine Heimstätte, 
auch in Hofgeismar, Jmmenhausen und Helmarshausen und zuletzt in dem 
neugegründeten Städtchen Sieburg, dem späteren Karlshafen. Die in hie 
siger Stadt Angesiedelten gehörten so ziemlich allen Berufsständen an. 1 2 ) 
Zunächst nahm die Altstadt die Refugies auf, und die Brüderkirche, 
später auch die Schloßkirche wurden ihnen zum Gottesdienst überwiesen. 
Bald aber fanden die Zuziehenden in der von Festungswällen eingeengten 
Stadt keinen Raum mehr, und Karl sah die Möglichkeit einer Erweiterung 
seiner Residenz in greifbare Tlähe gerückt. Jenseits der Wälle, auf der süd 
westlich von der Stadt sich ausdehnenden Hochfläche, dem sogenannten Wein 
berg, wo der herrschaftliche oberste Baumgarten dazu hergegeben und der 
weitere Grund und Boden angekauft wurde, beschloß er, eine neue Stadt zu 
erbauen und mit den eingewanderten Hugenotten zu bevölkern. Der Architekt 
Faul du Ry, der erste aus der Familie dieses Tlamens, ein ausgezeichneter Bau 
meister und auch ein um des Glaubens willen vertriebener Hugenotte, war es, 
der ihm die Pläne lieferte. So entstand feit dem Jahre 1688 mit vier Haupt- 
und drei diese rechtwinkelig schneidenden Querstraßen die Ober- oder fran 
zösische Heustadt als ein durchaus selbständiges, von der Altstadt verfassungs 
rechtlich völlig gesondertes Gemeinwesen, an dessen Spitze ein Commissairc de 
police, anfangs allein, später (seit 1734) mit noch sechs Schöffen (Echevins) 
1) Aus 1697, also dem Jahr vor dem zweiten Zuzug, liegt ein Verzeichnis der 
hiesigen französischen Haushaltungen vor (Staatsarchiv Harburg, H. St. S. 829), wonach 
in der Altstadt deren 103, auf der Oberneustadt 43 gezählt werden; wir dürfen also 
die Gesamtzahl der Familienglieder auf rund 700 schätzen. 1714 soll die französische 
Gemeinde in der Altstadt 600 Seelen gezählt haben. 1730 werden bei der Eidesleistung 
daselbst 112, und auf der Oberneustadt 72 selbständige Franzosen genannt, womit man 
auf eine Seelenzahl von 900 kommen würde. Dabei sind allerdings nur die Gewerbe 
treibenden aufgeführt. Alles in allem mag die Zahl von 1400 Köpfen, die für Cassel 
gewöhnlich angegeben wird, zutreffend sein. (Stadtarchiv 6 80--; vgl. Heußner 
a. a. O., S. 8f.). 
2) Siehe insbesondere Rommel: Zur Geschichte der französischen Kolonien in 
Hessen-Cassel (Z. H. G. Bd. 7, S. 83 ff.). 
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