Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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die Abhörung in (Gegenwart der fürstlichen Beamten vornimmt, so erfolgt 
diese jetzt durch einen Regierungskommifsar im Beisein und mit Zuziehung 
der Stadtbehörde. Aus einer rein kommunalen Angelegenheit ist sie Sache 
der Staatsbehörde geworden, die Oberaufsicht des Staates über den städtischen 
Haushalt damit in die Wege geleitet. 1 ) 
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Der oben erwähnte Bürgermeister Samuel Bourdon war ein Sohn des 
1628 hier eingewanderten und zu Wohlstand gekommenen Kauf- und Handels 
manns Thomas Bourdon aus Netz; er und feine Familie bewohnten lange das 
1651 erbaute stattliche Haus an der 6cke des Druselplatzes, Oberste Gasse 35. 
Wohl infolge der nahen Beziehungen Hessen-Cassels zu Frankreich wanderten 
dann noch andere französische, meist Pariser Familien hier ein, so schon vor 
1623 der Krämer Jean Honore Ferron, einige Jahre darauf sein Bruder, der 
Schneider Jacques Ferron; 1641 der „vornehme“ Handelsmann George Du- 
mont, der es hier trotz des Krieges zu bedeutendem Wohlstände brachte, und 
dessen Sohn gleichen Tlamens im hessischen Kriegsdienst bis zum Brigadier 
aufstieg; er bewohnte das Haus am Brink TTr. 8, 6cke des Weitzen Hofes; 
fein Sohn, der Jngenieur-Kapitän Dumont, aber ist der Erbauer des Hauses 
Narktgasse 17, über dessen Haustüre im Giebelfeld die kriegerischen Em 
bleme an seinen und seines Daters Stand erinnern. Der oben genannte Jean 
Honore Ferron, welcher bis dahin ein Haus am Steinweg am Eingang zum 
„Sack“ bewohnt hatte, 2 ) erbaute 1644 das Haus am Altmarkt Tlr. 2, in welchem 
sich dermalen die Post befindet, und fetzte über die Haustür die schöne Jn- 
schrift: Qui veult du Paradis la gloire, ne cesse jamais de bien faire, de bien 
servir et loial estre. £e bon serviteur devint maistre. 3 ) An der Seite des Erkers 
nennt eine deutsche Jnschrift den Erbauer. 1648 wanderte der Knopfmacher 
Daniel Gayot aus Stratzburg ein, 1661 der Waidfärber Elias Sechehaye aus 
Netz, dessen nachkommen hier in grotzer Achtung standen. Wenig später, noch 
vor 1663, hetz sich sodann der erste aus der Familie Grandidier in unserer Stadt 
nieder, die unter den aus Frankreich eingewanderten wohl die angesehenste 
war, und deren Harne mit der späteren Hiederlassung der französischen Huge 
notten aufs engste verknüpft ist. Daniel Grandidier und fein Sohn Henri 
hatten, um den Religionsverfolgungen zu entgehen, nach 1653 ihre Heimat- 
1) Uergl. die Marburger Ratsordnung uon 1676. Hess. £00., Bd. 3, S. 82, § 19. 
2) Das Haus wurde 1767 abgebrochen, um dem „Hof uon England“, der 
jetzigen lUaisenhaus-Buchdruckerei, die Aussicht frei zu machen. 
3) wer die Herrlichkeit des Paradieses will, höre niemals auf, wohl zu tun, sich 
nützlich zu machen und rechtlich zu sein. Der gute Diener wurde ein Herr.
	        

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