Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Schinken, 14 Pfund Kalbfleisch, teils gesotten, teils gebraten, 2 Hühner, 
2 Paar junge Tauben, 2 Essen Grundeln, 2 Kälbergekröse, 2 Kalbsköpfe, eine 
Kindszunge, 2 gefüllte Kälbermagen. — Die Gelegenheiten find so mannig 
faltig, dafj es unmöglich ist, sie auch nur annähernd auszuzählen. Daß die 
Schmäuse mit der Zeit sich immer üppiger gestalteten, lag in der Natur der 
Dinge. Dienn im Jahve 1471 bei der vom Kat alljährlich in der Fulda (uon 
der Neuen Mühle bis nach tUolfsanger) gehaltenen Fischerei noch 6 Schillinge 
2 Pfennige im Keller verzehrt wurden, so war dieser Schmaus achtzig Jahve 
später schon auf 8 Gulden 12 Albus gestiegen, also auf mehr als den 60 fachen 
Betrag. Jhren Höhepunkt erreichte die Schlemmerei in der zweiten Hälfte des 
17. Jahrhunderts, in der Blütezeit der Trinkgesetze, deren unerbittlichem 
Zwang sich zu unterwerfen man im Feldlager ebensowohl wie auf den hohen 
Schulen gelernt hatte. Der Gedanke und das Bewußtsein, dabei aus dem 
Stadtsäckel zu wirtschaften und somit fremdes Gut zu verzehren, lag offenbar 
nicht im Gesichtskreise der Herren. 
[2 Daß dabei die Geschäfte der Stadt, wenn sie stets begossen wurden, nicht 
besonders gut liefen, dürfte einleuchten. Das allmähliche Platzgreifen der staat 
lichen Oberaufsicht zeigt sich nun nirgends klarer und deutlicher als bei der 
Abhörung der Stadtrechnungen, weshalb hier ein kurzer tiberblick gegeben 
werde. Während im 15. Jahrhundert die städtischen Verwaltungsorgane 
noch allein diese Abhörung in der Hand haben, wird nach dem Salbuch un 
serer Stadt von 1555 die Anwesenheit der beiden fürstlichen Beamten, des 
Schultheißen und des Kentschreibers, und nur dieser, dabei erfordert; ebenso 
wird es in den übrigen Städten gehalten. Wenn (eben dem Salbuch zufolge) 
auch noch der Statthalter von Niederhessen, der Oberste oder Stadtkomman 
dant und der fürstliche Kammermeister, der Chef der Finanzverwaltung, also 
die Spitzen der Stadt, dazu eingeladen werden, darf man annehmen, daß 
es sich bei dieser Ginladung weniger um Ausübung der staatlichen Kontrolle, 
als um Erweisung einer Höflichkeit handelte, um so mehr als die Kechnungs- 
ablage stets mit dem üblichen Schmause schloß. Noch 1664 find es die Gilde 
meister der hiesigen Stadt allein, welche es rügen, daß die Geschoßerhebung 
feit langer Zeit im Kückstande sei, auch die Kämmerei- und Zäpfereirechnun- 
gen der Abhörung warteten, wie sie im Verein mit der Gemeinde denn auch 
im Jahre 1671 eine Beschwerde an die Kegierung einlaufen lassen über die 
Weigerung des Stadtkämmerers, ihnen die Kataster vorzulegen. 1 ) 
Ilm diese Zeit tritt die Wandlung ein: wenn ehedem die Stadtbehörde 
1) Stadtarchiv D. 76. 
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