Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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vox ihm so groß, daß die Bauern der umliegenden Dörfer unter den Kanonen 
Cassels in Hütten lagen, und noch 1647, am 27. Oktober, drang er mit einer 
Schar uon 2000 Mann bis in die nächste Tlähe unserer Stadt uor und überfiel 
Bettenhausen, das er ausplünderte und niederbrannte. 
Blas die Zustände in hiesiger Stadt während des Dreißigjährigen Krieges 
betrifft, so ist es, was Wissenschaft und Kunst betrifft, nicht schwer, sich ein 
Bild davon zu machen. Beide lagen ganz darnieder. Gebaut wurde gar nicht. 
Am Schlüsse des Zeitraumes waren alle öffentlichen Gebäude verfallen, Jn 
der bildenden Kunst nur tritt der Tlame des Kammerjunkers am hiesigen 
Hofe und späteren hessischen Hauptmanns Cudwig von Siegen (1607 bis nach 
1676) hervor, der 1639 die Schabkunft, eine Art des Kupfersticks, erfand, 
in der Bedeutendes geleistet wurde. Die erste fertige Platte, die er herstellte, 
das Bildnis der Candgräfin Amalie Elisabeth, ist 1642 datiert. 1 ) 
Die Wissenschaft war theologisch, und was Crocius und Heuberger hier 
geleistet haben, ist in seiner Art bedeutend, gehört aber lediglich der all 
gemeinen Geschichte an. 
Die Lateinschule leistete nichts. 
Schwieriger ist es, den Hahrungsstand, besonders in der zweiten Hälfte 
des großen Krieges, zu beurteilen. Pürs erste muß man sich da noch hüten, 
allzu schwarz zu sehen und die Verhältnisse des platten und offenen Bandes 
zur Vergleichung heranzuziehen. So traurig wie hier sah es in der befestigten 
Hauptstadt nicht aus, es ist vielmehr anzunehmen, daß das Hereinströmen 
zahlreicher bemittelter Auswärtiger, meist Adeliger, die dort Schutz suchten, 
zunächst noch guten Verdienst brachte. 
Denn außer den zünftigen Schneidern der Stadt finden noch zahlreiche 
„Störer und Pfuscher“, die sich unter dem Vorwände der Peindesgefahr herein 
geschlichen haben, guten Verdienst. Cassel zählte damals zehn Gilden: die 
Hansegreben, Bäcker, Metzger, Schuster und Löwer, Schmiede, Leinweber, 
Schneider, Weißgerber, Böttcher und Schreiner, die alle ziemlich besetzt waren. 
Eine von der Stadtbehörde im Jahre 1646 den Löwerknechten gegebene 
Disziplinarordnung will zwar der eingerissenen Unschicklichkeit, Unzucht und 
Unordnung unter ihnen steuern, läßt aber vom Kückgang des Gewerbes nichts 
bemerken. Sie ist, da ähnliche Bestimmungen gewiß auch für die anderen 
1) Uber das Verfahren siehe Model u. Springer: Der französische Farbenstich 
des 18. Jahrhunderts. Stuttgart 1913, S. 16. Die Blätter mit dem Bilde der Land 
gräfin gelangten nie in den Handel; sie haben jetzt einen außerordentlichen Wert. 
Leider ist auch die Platte abhanden gekommen, die sich noch im 18. Jahrhundert in 
der hiesigen fürstlichen Bibliothek befunden haben soll. 
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