Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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6 dem Darmstadt die Hälfte der Marburger Hniversitätsgefälle an Cassel ab- 0 
8 getreten hatte. Zwanzig Jahre lang hat eine Hochschule hier, bei geringem a 
0 Besuch, und da unter den Kriegsstürmen die Einkünfte fast völlig stockten, 0 
ein nur kümmerliches Dasein gefristet, und Crocius, der ihr erster Rehtor a 
war, hat ihr einzig und allein einige Bedeutung verliehen. Wenn er daneben 0 
noch das Amt des Dekans und ersten Predigers der freiheiter Gemeinde be- a 
kleidete, so war es, weil ein derartiges Doppelamt bei den Professoren der 0 
Theologie allgemein üblich, und weil Crocius dem zweiten vornehmlich die a 
Ausstattung seines Amtes, die Subsistenzmittel, verdankte. 0 
An die Stelle des Diakonus oder zweiten Predigers daselbst war im Jahre a 
1628 Theophilus Heuberger berufen worden. Heuberger, ein Pfälzer von 0 
Geburt, war durch die Besetzung der Pfalz durch die Spanier seiner Stelle a 
als Hofprediger des Kurfürsten Friedrich V. in Heidelberg verlustig gegangen 0 
und hatte sein Daterland verlassen müssen. Hach mancherlei Jrrfahrten ge- a 
langte er nach Güstrow an den Hof des Herzogs Johann Albrecht von Mecklen- 0 
bürg, des Gemahls der Elisabeth, der gelehrten Tochter des Candgrafen a 
Noritz, die nach langen schweren seiden im Jahre 1625 starb. Die treue Für- 0 
sorge, die Heuberger ihr auf ihrem Krankenlager gewidmet, war in Cassel a 
nicht unbemerkt geblieben, und als Herzog Johann Albrecht durch Wallen- 0 
stein aus seinem fände vertrieben und damit Heuberger auch wieder heimatlos a 
geworden war, gelangte an ihn die Berufung nach Cassel als Hofprediger g 
und Diakonus der Freiheiter Gemeinde, wo er am 30. Oktober 1628 nach a 
mancherlei Fährlichkeiten mit Frau und Kindern anlangte. 0 
Beide, Crocius und Heuberger, begleiteten im Anfang des Februar a 
1631 den sandgrafen auf den Fürstentag nach seipzig, wo zwar die Aner- g 
bietungen Gustav Adolfs von den Unschlüssigen abgelehnt, dafür aber ein 
Bündnis der protestantischen Fürsten unter sich gegen die Übergriffe der Katho 
liken vereinbart wurde. Ein Religionsgespräch, das gleichzeitig die hessischen 
und kurbrandenburgischen Theologen mit den kursächsischen hatten, scheiterte 
trotz dem Entgegenkommen der ersteren an der Hartnäckigkeit des sächsischen 
starren Hofpredigers Hoe von Hoenegg in der Frage der Abendmahlslehre. 
Wilhelm V. verlieh die seipziger Tagung, die wieder als Beweis hätte gelten 
können, daß unter deutschen Theoretikern keine Einigung zu erzielen ist, 
und daß das Heil allein bei den Männern der Tat liegt. 
Der Mann der Tat aber, Gustav Adolf, der berufen war, die Geistes 
freiheit im Deutschen Reich vor der Knechtung der Jesuiten zu retten, war 
erschienen. Hoch einen Erfolg, einen sehr traurigen allerdings, hatte Tilly 
damit zu verzeichnen, daß er am 20. Mai 1631 das feste Magdeburg eroberte
	        

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