Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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eigentlichen Gegner seiner neuen Gewerbepolitik. Wohl um eine Grundlage 
für Reformen zu gewinnen, verfiel er 1607 auf die eigenartige Jdee, die Stadt 
behörde mit einer Kritik der Zünfte und die Zünfte hinwiederum mit einer 
solchen der Stadtverwaltung zu beauftragen, und die eingelieferten Berichte 
bringen sehr schätzbares Material zur Geschichte der damals in hiesiger Stadt 
obwaltenden Verhältnisse, auf das einzugehen uns leider hier der Raum ge 
bricht. Genug, Moritz und feine Räte machten die Habsucht der Zunftgenossen 
für die damals geklagte allgemeine Verteuerung der Bebensmittel, woran 
sie in Wirklichkeit unschuldig waren, verantwortlich und lösten sie im Jahre 
1621 auf, — freilich nur, um sie vier Jahre später wieder herzustellen. Als er 
im selben Jahre 1621 seinen Kammerdirektor von Craesebeck nach den Tlieder- 
landen schickte und ebenso bei der Reise feines Sohnes Philipp nach dem Haag 
dessen Begleiter, den Geheimen Rat Zobel aus Bremen, beauftragte, insbe 
sondere Meister und Unternehmer von Seidenmanufakturen von Amsterdam 
nach Cassel zu ziehen, so dürften dies die letzten derartigen Unternehmungen 
gewesen sein; denn von nun ab setzte der Krieg aller Gewerbepolitik ein Ziel. 
Wenn im Jahre 1625 der Seidenweber Daniel Du Sart dahier seinen Betrieb 
einstellt und wegen getäuschter Hoffnungen die fürstliche Rentkammer ver 
antwortlich macht, so wird hier ursächlicher Zusammenhang angenommen 
werden dürfen. 
Es liegt viel Tragik in dem Geschick dieses Fürsten. Sein Unglück war, 
Gedanken zu haben, für welche die Zeit noch nicht oder nicht völlig reif war, 
und Ziele zu verfolgen, die seine und seines Bandes Kräfte überstiegen. So 
hat er durch feine kostspielige Hofhaltung sich und das Band finanziell schwer 
geschädigt. Weit verhängnisvoller aber war die Schwenkung, die er auf kirch 
lichem Gebiete unternahm, indem er offen den Anschluß an die freiere re 
formierte Behre der Pfälzer und ^Niederländer suchte, — eine Schwenkung, 
die in der 1605 durch Patent vom 27. Dezember von ihm durchgesetzten Gin- 
führung der sogenannten Verbesserungspunkte in die hessische Kirchenagende 
ihren Ausdruck fand. Sie betrafen die Ablehnung der Behre von der Xlbi- 
quität des Beib es Christi im Sakrament, die Einteilung des Dekalogs nach 
Calvin entgegen der lutherischen Einteilung und die Verwendung des Brotes 
beim Abendmahl anstatt der Hostie, also im ganzen, mit Ausnahme des ersten 
Punktes, der allein die Kirchenlehre anging, den aber auch strenge Butheraner 
mit der sogenannten Konkordienformel ablehnten, durchaus nebensächliche 
Dinge, die ebensogut hätten unterbleiben können, und deren Einführung, 
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