Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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den pestartigen Seuchen, uon denen die bürgerliche Gesellschaft bis ins 18. 
Jahrhundert hinein so oft dezimiert wurde. 
Kehren wir noch einmal zu den Harkten zurück, welch ein lebens 
volles Bild diese im 16. Jahrhundert bieten mochten, wenn die wogende 
Menge der Männer und Kleiber in ihren bunten, malerischen, oft phantasti 
schen Kleidern, Kitter, Landsknechte, Pfaffen, Bürger und Bauern, jeder 
Stand in seiner besonderen Tracht, umhergingen, kauften und feilschten, 
davon vermögen wir uns heute nur eine unzureichende Vorstellung zu machen. 
Jn der Stadt baute sich eine neue Stadt auf. Den Marställerplaß, auf dessen 
buntes Treiben damals noch der von Landgraf Philipp zur Kanzlei erkaufte 
hochragende von Boyneburgsche Burgsitz düster herab schaute, bedeckten die 
Buden der Seiden- und Gewandkrämer, der Schnur- und Posamenten 
macher, der Händler mit Leinentuch und Teppichen, item der Hut- und Pilz- 
macher und der Krämer, die allerlei Klaren feilboten. Am Schloßgraben 
nach dem Steinweg zu standen die Goldschmiede, die Kannen- und Rotgießer, 
und nach dem Kenthof hinunter die Buchdrucker, Buchbinder, Maler, Pappen 
krämer; in der Gasse nach dem Markt zu (der Brüderstraße) die Gewürz 
krämer, die Händler mit Samen und Apothekerwaren. Auf dem Markte 
selbst finden wir bei dem Rathause die Seifensieder, die Honigkuchenbäcker, die 
Bremer (d. h. Spezereiwaren-) Händler und Hökerwaren überhaupt, Betten 
krämer, aber auch die Stein- und Bruchschneider, Okulisten und das große 
Heer der Marktschreier und Quacksalber, am Pischmarkt Pische, Gemüse, 
Kraut und Rüben, frisches und dürres Pleisch. An der 6cke bei der jetzigen 
Hirschapotheke hatten die Drechsler ihren Stand, die Marktgasse hinauf stan 
den die Messerschmiede, die Waffenschmiede mit Schwertern, Spießen, Helle 
barden und anderen Waffen, ferner die Eisenkrämer aus dem Kölner Lande 
und von Schmalkalden, die Grobschmiede, die Kleinschmiede oder Schlosser, 
die Plaschenschmiede, Keßler, Ofenhändler und so fort. Auf dem Ledermarkt 
wurde das Leder teils im ganzen von den Löwern oder Lohgerbern zu Markt 
gebracht, teils stellten sich an den Seiten die feineren Lederarbeiter auf, die 
Riemer, Sattler, Senkler, Weißgerber und Handschuhmacher, und ebenso 
gehörte ihnen, den Schuhmachern, Kürschnern, Gürtlern usw. die ganze Mittel 
gasse und die Oberste Gasse. Auf dem Tuchhause selbst hielten, wie schon er 
wähnt, die vornehmen Kaufherren ihre Zeuge feil, denen aber auch die weiten 
Gänge des Rathauses reserviert waren, und in dem Weinkeller daselbst hatten 
die Wirte alle Hände voll zu tun, die Gäste zu bedienen. Der Pferdemarkt 
und der Schweinemarkt, wie die Mittelgasse von der Hohentorstraße abwärts 
eigentlich heißt, und der Töpfenmarkt erklären sich von selbst. Uon hier bis
	        

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