Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Vergewaltigung nickt unähnlich war. Er zwang die Stadt nach mehrjährigem 
erbitterten Widerspruch im Jahre 1587, sich mit dem WdnschanksprivUeg 
von ihm förmlich belehnen zu lassen, und zwar jedesmal auf 12 Jahre gegen 
Erlegung eines Weinkaufs von 200 Goldgulden, vom Magistrat dem Landes- 
herrn in einem rotsamtenen Deutel selbst zu überreicken. 
Wollte ein Fremder also in einem Gasthof etwa Wein trinken, so mußte 
ihm der Wirt solchen holen lassen, und der Bürgersmann hatte nock die Mög- 
lickkeit, sich am selbstgekelterten zu laben, den er im eigenen Weinberg ge 
zogen hatte. Venn es war damals viel Weinwacks um Gaffel vorhanden, vor 
allen Foren, mit Ausnahme des Leipziger, lagen Weinberge» von denen als 
die besten die am Rothenberge und auf dem Kratzenberge galten. Ver so 
genannte Weinberg am Frankfurter Tor, wozu vor alters das ganze Areal der 
Oberneustadt gerechnet wurde, gehörte großenteils der Landesherrsckaft, 
die hier in günstigen Jahren, besonders im kleinen Weinberg am Abhange 
nack der Kleinen Fulda zu (da, wo jetzt der neue Theaterbau steht) einen ganz 
trinkbaren Wein gezogen haben toll. Jn gewöhnlicken Sommern mag er sauer 
genug und nickt gut zu trinken gewesen sein, weshalb Landgraf Wilhelm I V. 
im Jahre 1570 eine ungnädige Verordnung an das im Schlosse speisende Ge 
sinde zu erlassen für nötig fand, daß sie sich an dem gewöhnlichen Landwein 
genügen lassen sollten?) Venn Weinjahre wie das von anno 1540 waren selten, 
wo nack großer Kälte eine Flitze eintrat, die (wie Kirckhof sagt) niemand ge 
dulden konnte. Einen solcken Wein, reichlich und gut, hatte man seit Menscken- 
gedenken nickt gezogen, er wurde aber auck in einem Jahre rein ausgetrunken. 
über das Alter des hiesigen Weinbaues weiß man nichts Bestimmtes. 
Wenn 1294 den hiesigen Karmelitern verboten wird, die ihnen geschenkten 
oder vermackten Weinberge zu behalten, so ist dies ein Beweis für deren Vor 
handensein. Wenn man aber das vors Wingarten unter dem Weinberge, 
rechts der Frankfurter Straße, urkundlick erst im Jahre 1270 genannt findet, 
so wird der Weinbau nicht viel älter sein, ver Ort wurde allem Anschein nack 
1587 bei der Belagerung der Stadt durck den Erzbisckof von Mainz und seine 
Verbündeten wüst gelegt. 
Wein war im 16. Jahrhundert nock das Flauptgetränk. Bier galt als 
Fiaustrunk, und der gebrannte Wein, außer auf dem Stadtkeller nur in den 
Apotheken zu haben, wurde erst gegen die Wende des Jahrhunderts beliebt, 
vie damalige Mensckheit, vornehmlick die in deutscken Landen, kannte und 
suchte den Lebensgenuß wesentlick in der Befriedigung der leiblichen Be- 
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^ 1) Rommel, Bd. 5, 5. 751. g 
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